Verena Fleckenstein kämpft um Gold

Am Freitag, 26. Juli, fiel mit der  Eröffnungsfeier in der Armeec Arena der Startschuss für die  22. Sommer-Deaflympics in Sofia. Bis zum 4. August kämpften rund 4500 Sportler und Sportlerinnen aus 91 Nationen um Titel. Mit dabei auch Verena Fleckenstein aus Laufach. Die 37-jährige Sportlerin wird in der Disziplin Tennis an den Start gehen. „Ich spiele Einzel, Doppel und Mixed, was ganz schön anstrengend werden kann“, lacht Verena. 2009 bei den Deaflympics in Taiwan hat sie in sechs Tagen neun Matches absolviert.

Egal, sie freut sich trotzdem auf die Spiele in Bulgarien. Es ist ihr vierter internationaler Einsatz. „2009 war ich bei den Deaflympics in Taiwan dabei. 2010 in Las Vegas, wobei dies ein inoffizielles Turnier war. 2011 habe ich an der Mannschafts-WM in der Türkei, vergleichbar mit dem Fed-Cup,  teilgenommen und nun geht es nach Sofia.“  Jedes Mal kam sie sehr erfolgreich zurück. Insgesamt hat sie bisher vier Goldmedaillen mit nach Hause nehmen können. Verena freut sich auch, wieder an der Seite ihrer Doppelpartnerin Heike Albrecht aus Niederzier (Nordrhein-Westfalen) aufschlagen zu dürfen. Ihr Mixedpartner wird diesmal Sebastian Schäffer aus Bünde (Nordrhein-Westfalen) sein. Im Tennis haben es die Teilnehmer dieses Jahr mit zwei neuen Nationen zu tun. „Indien und Uruguay sind heuer mit dabei. Wir haben keine Ahnung, wie gut die sind, müssen uns überraschen lassen“, erzählt die Laufacherin. Doch bevor es Richtung Bulgarien geht, stand in München an der Sportschule noch ein Lehrgang an. Insgesamt gibt es im Jahr drei Vorbereitungslehrgänge für die gehörlosen Tennisspieler. Diesmal kamen drei Frauen, vier Männer plus Trainer, Physio und Betreuer. „Die Lehrgänge sind sehr wichtig, denn wir hören ja nichts.  Wir können den Ball nicht auftupfen hören oder wir können, gerade beim Doppel, uns keine Kommandos zurufen“, sagt die Sportlerin, die ihr Hörgerät, das sie normalerweise trägt, ausziehen muss.

Verena ist an Position vier gesetzt, ihre Doppelpartnerin Heike an zwei. Insgesamt spielen 31 Frauen Einzel. Im Doppel sind es zwölf Paarungen und hier sind die Deutschen an zwei gesetzt. 23 Paarungen gibt es derzeit im Mixed. Die Laufacherin ist an der Seite ihres Partners Schäffer an fünf gesetzt. Was räumt sich die sympathische Sportlerin für Chancen ein? Sie ist völlig entspannt und sagt: „Lassen wir uns überraschen. Wir geben alle unser Bestes. Mal sehen, wie weit wir kommen.“

 

Einige Infos zu den Deaflympics

Im Jahre 1924, lange vor den Paralympics, wurden die ersten, früher noch Gehörlosen-Weltspiele genannten,  Deaflympics in Paris durchgeführt. Damals nahmen neun Nationen und 148 Sportler teil. Mittlerweile ist die Zahl enorm gestiegen und bei den 21. Deaflympics 2009 in Taiwan waren rund 4000 Teilnehmer am Start. Wie die olympischen Spiele finden die Deaflympics seit 1949 alle vier Jahre statt. Die Winter-Deaflympics werden im gleichen Turnus um zwei Jahre verschoben durchgeführt. Seit 2001 sind die Deaflympics  vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als die Spiele der Gehörlosen anerkannt und dürfen offiziell den  Namen Deaflympics tragen mit eigenem dazu gehörigem Emblem. Der Ablauf der Spiele ist vergleichbar mit der Olympiade und den Paralympics.

Doch durch die eigene Kommunikationsform der Betroffenen, die auf visueller Vermittlung und optischer Wahrnehmung beruht, ergeben sich besondere Voraussetzungen für und Anforderungen an die Sportler.  Ihnen fehlen akustische Informationen, die Hörenden zusätzlich zu den visuellen zur Einschätzung einer Situation zur Verfügung stehen. Über nationale Grenzen hinweg ist die Verständigung für Gehörlose untereinander fast problemlos. Der aktive Wortschatz von Gehörlosen umfasst nur rund 30 000 Wörter im Vergleich zu cirka 90 000 Wörtern bei Hörenden. Dadurch bilden sie eine in sich geschlossene Gruppe. Deshalb wurden eigene Gehörlosen-Sportveranstaltungen ins Leben gerufen. Der Gehörlosensport ermöglicht sportliche Begegnungen auf gleichem Niveau und einen kulturellen und sozialen Austausch mit Menschen anderer Nationen.