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Handball – 3. Liga: Kirchzell zeigte dem Tabellendritten die Grenzen auf – Gelnhausen setzte ein Ausrufezeichen – Hanau agierte souverän

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

In der dritten Handball Liga, Staffel Süd-West, hat der TV Kirchzell das Derby gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden gewonnen. Der TV Gelnhausen nahm die Punkte aus Münster mit und die HSG Hanau gewann daheim gegen SGSH Dragons.

 

Bärenstarke Vorstellung der Kirchzeller

Mit einer bärenstarken Vorstellung und einer disziplinierten Glanzleistung gewann der TV Kirchzell das Derby gegen den Tabellendritten HSG Rodgau Nieder-Roden mit 27:24 (13:12) und war dabei gegenüber der Vorwoche nicht wieder zu erkennen. TVK-Trainer Povilas Babarskas hatte seine Jungs – wie immer – gut auf den Gegner eingestellt, hatte in Tom Spieß seine rechte Hand auf dem Spielfeld und die komplette Mannschaft hielt sich an den Matchplan. Torhüter Tobias Evers hielt sehr stark und Kapitän Tim Häufglöckner sorgte immer wieder für bemerkenswerte Tore. Generell war die ganze Kirchzeller Mannschaft “auf der Höhe”, egal, ob Yannik Wolf am Kreis, Antonio Schnellbacher, Louis Hauptmann oder Ievgen Zhuk auf Außen, Yann de Waha, Oleh Soloviov usw. Schön zu sehen, dass Trainer Povilas Babarskas trotz der Brisanz des Spiels seinen jungen Wilden Einsatzzeiten gab. 

Die Gäste lagen gleich mit 0:3 zurück, denn die Hausherren standen unglaublich gut in der Abwehr, waren im Rückzugsverhalten stark und nahmen der HSG das Tempo raus. Zwar konnten die Kirchzeller den Vorsprung zunächst nicht halten und lagen beim 4:5 erstmals zurück. Aber der TVK spielte konzentriert weiter und beim 8:7 (18.) nahmen die Gäste die Auszeit. HSG-Trainer Christian Sommer schmeckte nicht, was er sah. Bis zum 11:11 blieb die Begegnung dann ausgeglichen. Trotzdem war abzusehen, dass die Gastgeber nicht nur den HSG-Spielmacher Simon Brandt sehr gut unter Kontrolle hatten. 13:11 führte der TVK kurz vor der Pause, hatte das 14. Tor auf der Hand. Doch die Gäste verkürzten auf 13:12. So ging es in die Pause. Zwölf Gegentore konnten sich sehen lassen und die Zuschauer waren schon jetzt begeistert von ihrer Mannschaft.

Auch nach dem Wechsel war der TVK am Drücker

Hochmotiviert kamen die Babarskas-Jungs aus der Kabine zurück, stockten auf und Tim Häufglöckner sorgte für das 17:14 und 18:15 (38.). Die Partie war kampfbetont, die HSG wollte keinesfalls verlieren, holte immer wieder auf. Doch Tom Spieß führte geschickt Regie, setzte seine Nebenleute immer wieder gut in Szene oder traf selbst. Die Abwehr stand wie eine eins und am jungen Yann de Waha musste erst einmal einer vorbei kommen. Da auch der Rückzug nach wie vor hervorragend klappte, Tobias Evers stark parierte, stand es in der 53. Minute verdient 23:18. Vorher gab es noch eine Schrecksekunde, als Joshua Löffelmann, der bei Siebenmetern eingesetzt wurde, einen Kopftreffer kassierte und kurzzeitig sichtlich mitgenommen war. Als es hier Entwarnung gab, spielten seine Kollegen weiter wie bisher, völlig unaufgeregt gab Trainer Povilas Babarskas seine Anweisungen von der Seitenlinie, wechselte durch und beim 25:21 (57.) schien die Vorentscheidung gefallen. Aber die Gäste gaben nicht auf, agierten nun sehr offensiv. Zwei Minuten vor Schluss gab es ein rüdes Foul an Antonio Schnellbacher, das die Kirchzeller Fans auf die Palme brachte. Doch der Spieler gab nach Spielschluss Entwarnung. In der letzten Spielminute beim 27:23 wuchs Tobias Evers mit einer Doppelparade über sich hinaus. Da konnte auch der letzte Treffer der HSG an der ausgelassenen Stimmung in der Miltenberger Halle nichts mehr ändern. 

TVK-Trainer Povilas Babarskas war die Freude ins Gesicht geschrieben, als er sagte: “Nach der Niederlage letzte Woche haben wir uns viel vorgenommen und ich glaube, alle haben gesehen, wie toll wir das umgesetzt haben. Alle meine Spieler haben hundert Prozent gegeben. Wir haben das gegnerische Tempospiel erfolgreich unterbunden, in der Abwehr sehr stark gestanden und hatten gute Unterstützung im Tor. Ein großes Kompliment an meine Mannschaft. Das war ein wirklich schöner Erfolg.” Auch Tom Spieß war sehr zufrieden, als er sagte: “Wir wollten der unangenehme Gegner in unserer eigenen Halle sein und das ist uns gut gelungen. Ich freu mich sehr über unseren Sieg.”

 

 

TV Gelnhausen setzt Ausrufezeichen

Der TV Gelnhausen gewann das Auswärtsderby bei der TSG Münster mit 32:30 (15:12) und sicherte sich damit zwei enorm wichtige Punkte. Vor 700 Zuschauern in der Sporthalle der Eichendorffschule in Kelkheim – darunter rund 150 lautstarke TVG-Fans – setzte sich das Team von Cheftrainer Matthias Geiger in einer intensiven Schlussphase durch. Mit nun 28:6 Punkten bleibt der TVG weiterhin Tabellenzweiter der Süd-West-Staffel.

„Es war das erwartete schwere Spiel“, sagte Geiger nach der Partie und verwies auf die Qualität des Gegners: „Münster steht nicht umsonst auf dem fünften Platz. Sie haben heute gezeigt, was sie können.“ Besonders in der Anfangsphase tat sich Gelnhausen schwer, richtig Zugriff zu bekommen. Die Gastgeber erwischten den besseren Start, auch weil der bundesligaerfahrene TSG-Keeper Johannes Jepsen von Beginn an hellwach war und mehrere Würfe der Rot-Weißen entschärfte. Auf der anderen Seite fehlte dem TVG zunächst die letzte Entschlossenheit in der Defensive, so dass Münster nach 16 Minuten mit 7:5 in Führung lag.

Doch der TVG blieb ruhig, ließ sich nicht abschütteln und fand zunehmend besser in die Partie. „Wir haben am Anfang ein bisschen Anlaufschwierigkeiten gehabt, haben fast wie mit angezogener Handbremse gespielt. Aber ab der 15. Minute sind wir dann besser reingekommen – mit mehr Biss in den Zweikämpfen, mehr Zug zum Tor und auch mehr Zweikampfstärke in der Abwehr“, sagte Geiger.

Der Schlüssel war eine klar stabilisierte Abwehr und ein Torhüter, der nun ebenfalls auf Betriebstemperatur war: Alexander Bechert parierte in dieser Phase Ball um Ball und entschärfte sogar einen Siebenmeter. Vorne fand der TVG immer öfter Lösungen gegen die bewegliche, aggressive Münsteraner Deckung und belohnte sich mit einem 6:1-Lauf innerhalb von sieben Minuten. In der 23. Minute brachte Winterneuzugang Dmytro Redkyn die Gelnhäuser mit 11:8 in Führung. Mit einem 15:12 ging es letztlich in die Pause.

Patrick Weber sehr torgefährlich

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich, warum Patrick Weber zu den torgefährlichsten Spielern der Staffel gehört. Der bundesligaerfahrene Halblinke der TSG traf aus dem Rückraum phasenweise nach Belieben und führte Münster Tor um Tor heran. Gleichzeitig hatte die TSG jedoch große Probleme, das Gelnhäuser Tempospiel zu kontrollieren. Nicht selten antwortete der TVG auf einen Münsteraner Treffer innerhalb weniger Sekunden mit dem direkten Gegentreffer. Das Derby entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch, in dem der Vorsprung der Rot-Weißen zwar schmolz, aber zunächst nicht vollständig kippte. In der 45. Minute erzielte Weber dann aber den 20:20-Ausgleich. Das Spiel war wieder komplett offen.

Allerdings schwächte sich Münster mit zwei Zeitstrafen hintereinander selbst. Obendrein sah Timo Treber nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte. Der TVG nutzte diese Situation, um sich wieder Luft zu verschaffen. Jannik Geisler traf in der 49. Minute zum 24:21. Doch Münster blieb bissig, gab sich nicht geschlagen und kam erneut zurück. In der 52. Minute stand es wieder unentschieden, 25:25. Doch erneut behielten die Barbarossastädter in der Crunchtime die besseren Nerven. Hinten parierte TVG-Keeper Daniel Drozdz einen Siebenmeter von Weber, vorne übernahmen Malolepszy und Geisler Verantwortung. Beide suchten konsequent den Abschluss und trafen in Serie. Zwei Treffer des Kapitäns brachten Gelnhausen auf 28:26 nach vorne (56.).

Von da an fiel auf beiden Seiten fast mit jedem Angriff ein Tor. Münster blieb dran, doch die Rot-Weißen konterten jedes Gegentor und behaupteten den knappen Vorsprung. Eine Minute vor Schluss lag Gelnhausen beim Stand von 31:29 noch immer mit zwei Treffern vorne. Dann setzte Geisler mit dem 32:29 rund 30 Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Stich. Münster traf zwar noch einmal zum 32:30-Endstand, doch die zwei Punkte waren dem TVG nicht mehr zu nehmen.

„Münster hat ein riesiges Spiel abgeliefert“, sagte Geiger anerkennend. „Aber wir haben in der entscheidenden Phase einen kühlen Kopf bewahrt und den absoluten Willen gezeigt, das Spiel zu gewinnen. Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem schweren Spiel zwei Punkte mitnehmen konnten und richten den Blick jetzt schon auf das Spiel gegen Ratingen.“ Bester TVG-Schütze war Malolepszy mit zehn Treffern, gefolgt von Geisler mit sieben Toren. Bei der TSG Münster war Patrick Weber mit elf Toren der erfolgreichste Werfer des Abends.

 

 

 

Abwehrumstellung ersten HSG-Heimsieg in 2026

Die HSG Hanau hat die ersten zwei Punkte im neuen Jahr gesammelt, triumphierte vor heimischer Kulisse mit 38:31 (17:17) gegen die SGSH Dragons und zeigte eine deutliche Leistungssteigerung zur Vorwoche. Torhüter Saad Khan hielt in den entscheidenden Phasen seinem Team den Rücken frei, während vorne Kreisläufer David Rivic zwölfmal einnetzte. Zum Matchwinner wurde jedoch ein taktischer Kniff von Trainer Axel Spandau, welcher die Dragons vor große Probleme stellte.

„Meine Mannschaft ist heute wesentlich emotionaler aufgetreten“, meinte Spandau nach dem Spiel. „Nachdem wir in der Schlussphase die Abwehr umgestellt hatten, haben wir aggressiv verteidigt, die Räume eng gemacht und uns in einen Flow gespielt. So wollen wir nächste Woche auch in Nieder-Roden bestehen.“

Gegen den personell gebeutelten Tabellenvierzehnten aus dem Sauerland war die HSG Hanau aber selbst nicht mit dem vollen Kader in die Begegnung gegangen, denn Spandau musste auf Außenspieler Julian Fulda und Kreisläufer Nils Schröder verzichten. Die SGSH Dragons traten von der ersten Minute an mutig auf und sofort entwickelte sich zwischen beiden Teams eine schnelle und torreiche Partie, in der die Gäste zunächst mit 3:1 in Führung gingen. Hanau ließ sich davon aber nur kurzfristig beindrucken. Beim 6:4 (8.) hatten die Grimmstädter die Begegnung, durch einen sehenswerten Tempogegenstoß von Sebastian Hein und dem sicher verwandelten Siebenmeter von HSG-Kapitän Max Bergold, wieder gedreht.

Bis zum 10:9 (16.) hielt diese Hanauer Führung, doch die Dragons blieben gefährlich und konnten sich dabei vor allem auf Rückraumspieler Felix Jaeger (15 Tore) verlassen, den die HSG kaum in den Griff bekam. „Natürlich ist es schwierig einen Spielertyp wie Jaeger vollends zu verteidigen“, analysierte Spandau später. Angesichts der gut platzierten Würfe aus dem Rückraum kam es so schon in der ersten Halbzeit zum Torhüterwechsel im Hanauer Kasten. Für Benedikt Müller rückte Saad Khan zwischen die Pfosten, der mit einigen Paraden überzeugte. Die 17:15-Führung der Gäste glich Bergold mit zwei schnellen Kontertoren zum 17:17 noch vor der Pause aus.

Dennis Gerst wird zum Gamechanger in der Hanauer Abwehr

Nach dem Seitenwechsel blieben die Dragons zunächst am Drücker und hatten bis zur 36. Minute eine Führung beim 22:20 inne. Was dann aber folgte, war eine abgebrühte Leistung der HSG-Sieben. Coach Spandau beorderte Allrounder Dennis Gerst in der Abwehr auf die vorgezogene Position und ließ sein Team in einer versetzten 5:1-Deckung verteidigen. Die Sauerländer zeigten sich von dem taktischen Kniff überrascht und leisteten sich gegen die aggressive Verteidigung mehrere technische Fehler, die Rivic, Kleemann & Co. im Angriff mit viel Sicherheit bestraften. „Dennis Gerst war für mich heute der Gamechanger dieses Drittligaspiels“, gab Spandau zu Protokoll. „In der Schlussphase waren wir in der Abwehr nicht nur emotional besser als unser Gegner, sondern auch fitter.“

Mit dem Treffer von Gerst zum 26:22 (45.) erspielte sich Hanau erneut eine komfortable Führung und drängte in der Folge auf die Vorentscheidung. Mehrfach scheiterte man dabei allerdings an SGSH-Keeper Luca Jannack. Da die Hanauer Defensive – gegen die nachlassenden Kräfte des Gegners – jedoch weiterhin nichts anbrennen ließ, sorgten Rivic mit dem 34:28 (54.) sowie Mittelmann Jan-Philipp Winkler, der den 38:31-Endstand markierte, am Ende doch noch für ein deutliches Ergebnis.

„Wir wollten heute von Anfang an eine Reaktion auf das letzte Spiel zeigen“, meinte HSG-Keeper Saad Khan. „Das haben wir auch geschafft, denn die letzten 15 Minuten waren sehr stark. Die Vorfreude auf das anstehende Derby ist nun riesig und wir hoffen, dass viele Zuschauer im Blauen Block uns dann erneut unterstützen werden.“