Handball – 3. Liga: Gelnhausen fordert Spitzenreiter heraus – Hanau fährt nach Opladen
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In der dritten Handball Liga, Staffel Süd-West, empfängt der TV Gelnhausen den Aufstiegsfavoriten Krefeld.
TVG fordert Spitzenreiter im Kampf um die Tabellenspitze
Auf den TV Gelnhausen wartet am Sonntag um 17 Uhr ein echtes Spitzenspiel, denn dann gastiert in der Rudi-Lechleidner-Halle die HSG Krefeld Niederrhein. Der Zweitliga-Absteiger führt die Staffel mit 14:0 Punkten an. Damit treffen die beiden einzigen noch ungeschlagenen Mannschaften der Liga direkt aufeinander.
Krefeld reist mit einer beeindruckenden Bilanz in die Hölle Süd. Alle sieben Saisonspiele wurden gewonnen, die meisten davon deutlich. Zuletzt setzte sich die Mannschaft von Trainer Mark Schmetz mit 32:19 (15:8) gegen den TuS 82 Opladen durch. Mit 256 erzielten Toren stellt die HSG die beste Offensive der Staffel, mit 176 Gegentreffern zugleich die beste Defensive. Auch die Tordifferenz von +80 zeigt, wie dominant der Tabellenführer bislang auftritt: Im Schnitt gewann Krefeld seine sieben Partien mit mehr als elf Toren Unterschied. Zum Vergleich: Der TVG steht bei +32, hat mit 177 Gegentoren allerdings nur einen Gegentreffer mehr kassiert.
„Krefeld ist wahrscheinlich der Aufstiegsfavorit schlechthin. Nach dem unglücklichen Abstieg aus der 2. Liga wollen sie unbedingt direkt wieder hoch und haben dieses Ziel auch klar formuliert“, sagt TVG-Trainer Patrick Beer. In der Saison 2024/25 marschierte die HSG mit 59:1 Punkten fast makellos durch die Süd-West-Staffel und stieg damals über die Aufstiegsrunde auf, musste nach nur einer Saison im Unterhaus aber wieder den Gang in die dritte Liga antreten. Mit 18:50 Punkten belegte Krefeld letzte Saison Rang 17.
An der Qualität des Kaders hat das wenig geändert. Im Gegenteil. Im Rückraum sorgen Julius Rose, Maciej Papina und Jörn Persson für enorme Gefahr, auf Rechtsaußen gehört Niklas Michalski zu den Leistungsträgern. Alle vier haben bereits mindestens 30 Saisontore erzielt. Im Tor bilden Finn Rüspeler und Neuzugang Wojciech Borucki ein starkes Duo. Sowohl Spielmacher Papina als auch Torhüter Borucki kamen im Sommer aus der polnischen Superliga nach Krefeld. Für Beer sind diese Verpflichtungen ein weiterer Beleg für die klaren Aufstiegsambitionen der Gäste.
„Krefeld ist kein normaler Drittligist. Das ist ein eingespieltes Team, das individuell und physisch das Maß aller Dinge in dieser Staffel ist. Sie bestrafen jeden Fehler eiskalt“, warnt Beer. Gerade die große Breite macht die Gäste schwer auszurechnen und verlangt dem TVG über 60 Minuten höchste Konzentration ab.
Doch auch der TVG geht mit reichlich Rückenwind in die Partie. Seit dem 28:28 (13:11) gegen die HG Saarlouis am dritten Spieltag haben die Barbarossastädter jedes Spiel gewonnen. Zuletzt setzte sich Gelnhausen mit 29:25 (13:10) im Hessen-Derby bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen II durch. Die Mannschaft geht deshalb mit viel Selbstvertrauen in die bislang größte Herausforderung der Saison. Die eigene Tordifferenz fällt zwar deutlich geringer aus als die der Krefelder, dennoch muss sich der weiterhin ungeschlagene Tabellenzweite vor dem Favoriten nicht verstecken.
Personell bleibt die Lage angespannt. Max Bechert fehlt mit Mittelhandbruch, Alexander Bechert aufgrund seiner Knieprobleme, Jonas Dambach wegen Fußbeschwerden und Benjamin Wörner mit einer leichten Handverletzung. Damit steht erneut kein Linkshänder im Rückraum zur Verfügung, während am Kreis weiterhin vor allem Torben Fehl gefragt ist.
Die jüngsten direkten Duelle zeigen, dass der TVG dem Konkurrenten aus Krefeld vor Aufgaben stellen kann. In der Saison 2024/25 holte Gelnhausen beim 23:23 (14:14) in der Hölle Süd den einzigen Punkt, den Krefeld während der gesamten Hauptrunde abgab. Im Rückspiel setzte sich die HSG allerdings deutlich mit 36:24 (17:10) durch. Am Sonntag sind die Rollen klar verteilt. Krefeld kommt als Favorit, der TVG will jedoch alles investieren und jede sich bietende Chance nutzen.
Körperlichkeit trifft auf Tempo
Am Samstag um 17 Uhr spielt die HSG Hanau in der Bielerthalle in Opladen, um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu machen. Die Grimmstädter belegen mit 6:6 Punkten den achten Tabellenplatz und bringen drei Siege in Folge mit ins Rheinland — der TuS 1882 Opladen steht mit 4:10 Punkten auf Rang 13. Auf der einen Seite die Spielgemeinschaft, die gerade Fahrt aufnimmt — auf der anderen ein Gastgeber, der den ersten Heimsieg der Saison anstrebt.
Trainer Axel Spandau lässt keinen Zweifel daran, was ihn an diesem Gegner beschäftigt: „Opladen ist eine körperlich äußerst robuste Mannschaft, die auch dementsprechend in der 6:0-Deckung steht. Spieltragende Figuren sind Spielmacher Dittmer sowie die Johannmeyer-Brüder und Heß am Kreis. Da müssen wir gegenhalten mit unserer Körperlichkeit in der Deckung und natürlich auch mit taktischem Geschick.” Der Matchplan, so Spandau weiter, ziele darauf ab, die gegnerische Deckung mit hohem Tempo und gutem Eins-gegen-eins-Verhalten zu bespielen und dann aus einer eigenen starken Abwehrarbeit heraus ins Tempospiel zu kommen.
Drei Siege in Serie: Die Blau-Weißen haben sich in den vergangenen Wochen einen Flow erarbeitet, der nicht zufällig entstanden ist. Sie ist das Ergebnis der konsequenten Abwehrarbeit, der Bereitschaft, über die zweite Wellen Tempo zugehen und die sich bietenden Chancen deutlich besser zu nutzen. Das Ziel ist es die begonnene Serie weiter auszubauen.
Auf der Gegenseite arbeitet seit Saisonbeginn, eines der aufstrebenden Trainertalenten im deutschen Nachwuchshandball, Aaron Hahn, der im letzten Jahr deutscher Meister mit der A-Jugend des SC Magdeburg wurde. Er baut auf ein System auf, das vor allem auf physische Präsenz setzt — die defensive 6:0-Deckung des TuS 1882 Opladen soll den Hanauern den Rhythmus nehmen und schnelle Lösungen im Rückraum erschweren. Der gefährlichste Mann auf dem Feld ist Linksaußen Paul Gießelmann: In acht Spielen hat er 28 Treffer, davon acht vom Siebenmeter-Punkt, erzielt und führt damit die interne Torschützenliste als klarer Topscorer an. Rückraum Mitte Birger Dittmer organisiert das Spiel nach vorne und bildet gemeinsam mit Rückraum Links Akteur Len Johannmeyer und seinem Bruder, Rückraum Rechts, Fynn Johannmeyer das spieltragende Gerüst im Rückraum. Kreisläufer Lucius Heß mit 17 Treffern und Malte Wolfram komplettieren eine Angriffsreihe, die die Hanauer Abwehr vor allem über körperliche Duelle lösen will. Nach dem Abgang von Dreh- und Angelpunkt Oliver Dasburg befinden sich die Gastgeber im Umbruch und sucht derzeit noch die Konstanz. Nach zwei Siegen gegen Nieder-Roden und Dormagen folgten in den letzten beiden Spielen gegen HSG Dutenhofen/Münchholzhausen II und die HSG Krefeld Niederrhein zwei Niederlagen. Gegen die HSG Hanau wollen sie zudem ihren ersten Saisonheimsieg. „Jetzt gilt unser voller Fokus dem Spiel gegen Hanau. Dort wollen wir wieder ein anderes Gesicht im Angriff zeigen und möglichst die nächsten beiden Punkte holen.“, gab Co-Trainer Fabrice Voigt nach dem letzten Spiel zu Protokoll.
„Mit so einem Derbysieg im Rücken ist natürlich die Trainingswoche viel einfacher als die Wochen davor. Jetzt bereiten wir uns intensiv auf Opladen vor“, berichtete Lukas Böhm Anfang der Woche. Was das bedeutet, deutete Trainer Axel Spandau bereits an: „Wir müssen mit unserer Körperlichkeit in der Abwehr dagegenhalten.“ Die Abwehr muss die körperlichen Auseinandersetzungen annehmen, kompakt stehen, um den Platz für den Rückraum um Dittmer, Wolfram und die Johannmeyer-Brüder einzuengen. Aus einer stabilen Deckung heraus soll das Tempospiel entstehen: frühe zweite Wellen, schnelle Entscheidungen im Abschluss, bevor sich die Opladenern im Sechs-gegen-Sechs sortiert hat. Vorne soll mit hohem Tempo und gutem Eins-gegen-Eins Verhalten die robuste 6:0-Deckung bespielt werden.
Archivbild vom TV Gelnhausen





