Handball – 3. Liga: Kirchzells Antonio Schnellbacher machte den Sieg perfekt – Hanau und Gelnhausen feierten ebenfalls Heimerfolge
Liebe Leserinnen, liebe Leser.
In der dritten Handball Liga, Staffel Süd-West, haben alle drei hiesigen Vereine, der TV Kirchzell, die HSG Hanau und der TV Gelnhausen, Heimsiege feiern können und es gab nur strahlende Gesichter.
Krimi in Miltenberg
Nach dem 31:30 (14:17)-Erfolg des TV Kirchzell gab es in der Miltenberger Sporthalle nur strahlende Gesichter seitens der Hausherren. Vor allem Antonio Schnellbacher wurde gebührend gefeiert. Der Außen war es, der in wirklich allerletzter Sekunde den Ball im gegnerischen Tor unterbrachte und damit für Jubelgesänge sorgte.
Gegen den starken Aufsteiger TSG Münster musste Kirchzells Trainer Povilas Babarskas erneut ohne seinen Kapitän Tim Häufglöckner und ohne Louis Hauptmann antreten. Tom Spieß und Ievgen Zhuk mussten bereits in der Anfangsphase teilweise aufgrund kleinerer Blessuren passen, so dass die “jungen Wilden” von Beginn an Verantwortung übernehmen mussten. Povilas Babarskas war nach der Partie voll es Lobes und sagte: “Heute zeigte meine Mannschaft eine tolle Leistung. Ich bin sehr stolz auf meine dezimierte Truppe und vor allem die Jungen haben einen großen Schritt nach vorne gemacht.” Vadym Oskilko agierte gut, Anton Bayer hat in der Abwehr super gestanden und wohl mehr Stopfouls produziert als die komplette Münsterer Mannschaft. Niklas Ihmer und Jannik Wolf kämpften bis zum Umfallen, die Routiniers leiteten das Spiel und Tobias Evers im Tor hielt sein Team jederzeit im Spiel.
In einer ausgeglichenen Anfangsphase hatte der TVK beim 6:4 (10.) erstmals mit zwei Toren die Nase vorn. Das war auch beim 7:5 noch so. Danach drehten die Gäste das Ergebnis, doch wieder war der TVK vorne. Letztlich wechselte die Führung. Nach dem 14:13 durch Tom Spieß hatten die Gäste Auftrieb und gingen mit 17:14 in die Pause.
TVK kämpfte um jeden Zentimeter Boden
Nach Wiederbeginn blieb der Gegner zunächst vorne (19:15, 20:16 – 34.). “Aber meine Jungs haben nicht aufgegeben, haben immer weiter gekämpft und auf ihre Chance gewartet”, war Povilas Babarskas sichtlich stolz auf sein Team. Antonio Schnellbacher und Jannik Wolf sorgten für das 23:24 (46.). Wieder stockte die TSG auf zwei Treffer auf (25.23). Ievgen Zhuk mit zwei Strafwürfen in Folge und Jannik Wolf vom Kreis sorgten für die Führung. Jetzt wurde es brenzlig und total spannend auf dem Parkett. Die TSG glich aus und setzte sich erneut in Front. Die Partie wogte hin und her und die Kirchzeller Zuschauer gaben – wie die Spieler – alles. Beim 29:30 vergeigte der TVK einen Siebenmeter, doch Jannik Wolf sorgte für das 30:30 (59.). Die Spannung war nicht mehr zu überbieten. Münster war in Ballbesitz, doch das Spielgerät fand den Weg ins Tor nicht. Tom Spieß reagierte blitzschnell, sah seinen Mitspieler Antonio Schnellbacher, der von Rechts- nach Linksaußen einlief, spielte ihm den Ball zu und dieser knallte den Ball quasi mit der Schlusspfiff ins Tor.
“Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf alle meine Spieler bin”, sagte Povilas Babarskas. Und weiter: “Ganz ehrlich, nach diesem Kampf und nach dieser Einstellung hätte ich heute auch mit einer Niederlage leben können. Am Ende hatten wir heute auch das Glück auf unserer Seite. Aber wir haben auch dafür gekämpft. Über die Qualität der Spieler aus Münster muss ich nichts sagen. Sie sind einfach gut. Aber meine Jungs haben sich heute zerrissen, immer wieder auf ihre Chance gewartet – und sie haben heute den Fans, die immer hinter uns stehen, etwas zurück gegeben.”
HSG-Arbeitssieg gegen starken Aufsteiger
Es war kein schönes Spiel, aber eines mit Charakter und viel Moral: Die HSG Hanau hat am Samstagabend den starken Aufsteiger interaktiv.Handball Düsseldorf-Ratingen mit 28:27 (14:13) bezwungen. Mit dem zehnten Sieg in Serie bleiben die Grimmstädter damit weiter auf Erfolgskurs. Gegen die Nordrhein-Westfalen musste sich die HSG reichlich strecken, geriet in einem Abnutzungskampf mehrmals in Rückstand, aber hatte auch dank Jan-Eric Kleemanns Lucky-Punch das glücklichere Ende auf ihrer Seite.
„Normalerweise gibt man in einem solchen Spiel die zwei Punkte noch ab, aber wir haben momentan als Mannschaft den Flow und das Selbstverständnis“, meinte HSG-Cheftrainer Axel Spandau nach der Partie am Mikrofon. „Ich bin zufrieden, dass wir das Spiel gewonnen haben. Das zeigt, dass es sich lohnt zu kämpfen und an den Sieg zu glauben.“
Die rund 400 Zuschauer in der Hanauer Main-Kinzig-Halle bekamen am 26. Spieltag ein zerfahrenes, aber auch zweikampfintensives Heimspiel zu sehen. interaktiv.Handball reiste nach vier Siegen in Folge und dem gesicherten Klassenerhalt mit reichlich Selbstvertrauen in der Grimmstadt an und hielt gleich zu Beginn merklich dagegen. Bei der HSG fehlten mit Dennis Gerst, Max Bergold (beide verletzungsbedingt) und Dziugas Jusys (private Gründe) drei wichtige Stützen des Teams. Gleich zu Beginn hatten Rivic, Kleemann & Co. ihre Probleme, gegen den starken Tabellenachten aus Nordrhein-Westfalen zu ihren Chancen zu kommen. Erst in der 3. Minute netzte Cedric Schiefer aus neun Metern zum 1:0 für die HSG ein. Schon das Hinspiel hatten die Gäste lange Zeit offen gestaltet und auch an diesem Samstag deutete sich früh ein ähnlicher Spielverlauf an. Luca Elias Schulz brachte Düsseldorf-Ratingen beim 5:3 (11. Minute) erstmals mit zwei Toren in Führung.
In der Folge wogte die Begegnung immer wieder hin und her, ohne dass sich eine der beiden Mannschaften echte Vorteile erkämpfen konnte. „Wir wussten, dass dieses Spiel nicht einfach wird“, erklärte Hanaus Cedric Schiefer später. „Düsseldorf-Ratingen ist wirklich gut drauf. Es war ein echter Abnutzungskampf.“ Abnutzung war dabei das passende Stichwort, denn gegen den Abwehrriegel der Gäste gerieten Kleemann, Böhm und Schiefer zu oft in Scharmützel an acht oder neun Metern, die Durchbrüche fehlten. Viel zu oft wurde das Spiel nach vorne durch Stopfouls unterbrochen. Erst nach dem 9:10 (20.) und 11:11 (24.) durch den frech aufspielenden Youngster Malte Just, der auf ungewohnter Position im Rückraum zum Einsatz kam, schaffte es die HSG, das Momentum etwas in ihre Richtung zu kippen. Torhüter Benedikt Müller zeigte einige sehenswerte Paraden und als das interaktiv-Team von Filip Lazarov in Unterzahl das Sieben-gegen-sechs versuchte, war Hanau gleich zwei Mal gedankenschneller und trafen durch David Rivic und Jan-Philipp Winkler in das leere Tor – 13:11-Führung (25.). Den knappen Vorsprung nahm die Spandau-Sieben beim 14:13 auch mit in die Pause.
Weiterer Kraftakt
Mit Wiederbeginn der zweiten Halbzeit blieb die Begegnung weiter ein Kraftakt für die Brüder-Grimm-Städter. Mit seinem hochgewachsenen und erfahrenen Kreisläufer Stanko Sabljic machte Düsseldorf-Ratingen das Deckungszentrum dicht und die HSG musste somit viel Geduld aufwenden. Oft reichte aber auch ein Geniestreich wie beim tollen Solo von Kleemann vor dessen 18:17-Führung (38.) oder dem langen Pass von Müller auf den durchgestarteten Sebastian Hein, der das 20:18 (39.) herauswarf. Doch Ruhe in das eigene Spiel brachte Hanau so nicht. Die Gäste kamen erneut zurück und stellten mit einem Siebenmeter-Treffer von Schulz und der eigenen 25:24-Führung (53.) die Partie wieder auf den Kopf. Spandau nahm die Auszeit und schwor sein Team für die Schlussphase ein. Die Ansprache zeigte Wirkung: Hanau holte sich das Spielgerät gleich dreimal hintereinander in der Abwehr und vorne glänzten wieder einmal Schiefer und Rivic mit ihrer individuellen Klasse. Auch der Hanauer Blaue Block stieg jetzt in den Handballwahnsinn auf der Platte mit ein, trieb die Blau-Weißen auf dem Feld immer wieder nach vorne.
Wer aber glaubte, dass nach Schiefers 27:25 (57.) das Spiel bereits entschieden war, der wurde eines Besseren belehrt. Die Zeitstrafe gegen Nils Schröder (58.) brachte noch einmal Unruhe auf das Feld und den Gästen gelang der erneute Ausgleich – 27:27 (60.). Mit nur noch zehn Sekunden auf der Uhr kombinierten sich Schiefer, Kleemann und Lukas Böhm durch die weit offene Deckung des Gegners. Der entscheidende Pass fand Kleemann am Sechsmeter, der unter dem Jubel der Hanauer Fans den Ball an Nicholas Plessers vorbei im Tor unterbrachte. Der letzte Angriff der Gäste wurde durch ein Stürmerfoul abgebrochen.
Gelnhausen macht mit Sieg Aufstiegsrunden-Quali perfekt
Der TV Gelnhausen hat ein Ausrufezeichen gesetzt und sich mit einem überzeugenden 32:20 (13:12)-Heimsieg gegen den TuS 82 Opladen vor rund 1.000 Zuschauern in der Rudi-Lechleidner-Halle endgültig die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga gesichert. Nach einer umkämpften ersten Hälfte drehte der TVG im zweiten Durchgang auf und ließ den Gästen keine Chance mehr. Bereits vor dem Anpfiff sorgte der Abend für besondere Momente. Rund 70 Kinder aus dem TVG-Ostercamp durften gemeinsam mit der Mannschaft einlaufen und erlebten so ein unvergessliches Highlight. Auch auf dem Feld gab es später Grund zur Freude: Mit Henry Werle und Liam O’Toole feierten zwei Eigengewächse ihr Debüt in der dritten Liga und krönten ihren ersten Einsatz direkt mit jeweils einem Treffer. Zudem kehrte Jannik Geisler nach längerer Verletzungspause im zweiten Durchgang zurück aufs Spielfeld. Personell musste der TVG weiterhin einige Ausfälle verkraften. Neben den Langzeitverletzten Akos Csaba (Kreuzbandriss) und Leon David (Schulter-OP) fehlten auch Henrik Müller (Prellung am Fuß) und Simon Belter (Sprunggelenk) verletzungsbedingt. Dennoch fand die Mannschaft erneut Lösungen und überzeugte vor allem nach der Pause auf ganzer Linie.
Der Start in die Partie gehörte zunächst den Gästen aus Opladen. Begünstigt durch einige ungenutzte Chancen der Gelnhäuser gingen die Rheinländer früh mit 2:0 in Führung. Doch der TVG ließ sich nicht beeindrucken und glich durch Kapitän Jonathan Malolepszy und Dima Redkyn schnell zum 2:2 aus. Vor allem die Defensivreihen prägten im ersten Abschnitt das Spiel. Beide Teams agierten konzentriert in der Abwehr, während sich im Angriff auf beiden Seiten zunächst Fehler einschlichen. Es entwickelte sich ein intensives und ausgeglichenes Spiel, in dem sich kein Team mit mehr als zwei Toren absetzen konnte. Jonas Dambach traf wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff zur knappen 13:12-Führung.
TVG wie ausgewechselt
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich der TVG dann wie ausgewechselt. Die Abwehr stand nun noch kompakter, und hinter ihr wuchs Torhüter Daniel Drozdz immer mehr über sich hinaus. Gleichzeitig wurden die Chancen im Angriff konsequenter genutzt. Binnen weniger Minuten setzten sich die Gelnhäuser auf 16:12 ab. In der 36. Minute parierte Drozdz dann einen Siebenmeter der Gäste und im direkten Gegenzug erhöhte Silas Altwein auf 17:12. Spätestens jetzt hatte der TVG das Spiel unter Kontrolle. Opladen stemmte sich zwar gegen die Niederlage, doch die Kräfte ließen zunehmend nach. Nach einer Roten Karte gegen Len Johannmeyer in der 44. Minute gerieten die Gäste zusätzlich unter Druck. Die Barbarossastädter nutzten dies konsequent aus und bauten ihre Führung weiter aus. Dambach traf in der 49. Minute zum 23:16. „In der zweiten Hälfte haben wir den Schalter umgelegt“, erklärte Geiger. „Wir haben unsere Physis und unsere Wechselmöglichkeiten gut genutzt, die Fehler von Opladen ausgenutzt und das Spiel dann übernommen.“
In der Schlussphase gehörte die Bühne dann auch dem Nachwuchs. Sechs Minuten vor Abpfiff feierte der 18-jährige Werle sein Drittliga-Debüt und traf direkt mit seinem ersten Wurf zum 27:19. Wenige Minuten später zog der ebenfalls 18-jährige O’Toole nach und erzielte in seinem ersten Angriff sein erstes Drittliga-Tor im Trikot des TVG zum 31:20. Spätestens jetzt stand die Hölle Süd Kopf und die Fans honorierten ihre Jungs mit Standing Ovations. Den Schlusspunkt setzte schließlich Finn Trinczek mit seinem Treffer zum 32:20-Endstand. Bester Werfer auf Seiten des TVG war Malolepszy mit neun Treffern, gefolgt von Rechtsaußen Redkyn mit sechs Toren. Für die Gäste war Birger Dittmer mit vier Treffern am erfolgreichsten.
Opladens Trainer Stefan Scharfenberg erkannte die Leistung des TVG an: „Glückwunsch an den TVG zum Erreichen der Aufstiegsrunde. Wir konnten dem ständigen Druck, den Gelnhausen vorne wie hinten ausübt, am Ende nichts mehr entgegensetzen.“ TVG-Cheftrainer Geiger zeigte sich nach dem Spiel entsprechend zufrieden: „Es war ein toller Abend mit einer großartigen Kulisse. Die Mannschaft hat eine reife Leistung gezeigt. Besonders freut es mich, dass sich die Jungs für ihren Aufwand belohnt haben und dass unsere Jugendspieler direkt so gut reingekommen sind.“






