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Handball – 3. Liga: Saarlouis war für Kirchzell eine Nummer zu groß – Hanau und Gelnhausen waren erfolgreich

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

In der dritten Handball Liga, Staffel Süd-West, wurde die HG Saarlouis in Kirchzell ihrer Favoritenrolle gerecht. Die HSG Hanau überrollte den TV Homburg. Für den TV Gelnhausen gab es gegen Dutenhofen einen Derbysieg.

 

 

Spitzenreiter eine Nummer zu groß

Für den TV Kirchzell, der ohne Ievgen Zhuk und Louis Hauptmann antrat, war der Spitzenreiter aus Saarlouis in der Tat eine Nummer zu groß. Am Ende ging die Partie 28:38 (12:19) aus. Die auf jeder Position unglaublich gut besetzten Gäste erwischten einen Traumstart und führten nach acht Minuten 6:1. TVK-Trainer Povilas Babarskas reagierte, nahm die Auszeit, redete seinen Jungs ins Gewissen und wechselte seine Torhüter. Für Tobias Evers kam in der elften Minute beim 1:8 Joshua Löffelmann. Die Kirchzeller versuchten sich dran zu kämpfen, doch “mühsam ernährte sich das Eichhörnchen” weiter. 4:11 stand es (14.), als Joshua Löffelmann kurz danach einen Strafwurf von Yves Kunkel hielt. Das Tempo des Tabellenersten wurde nun besser unterbunden und die extrem weit herauslaufende Deckung der Gäste schreckte den TVK nicht – er war vorbereitet. Es lief nicht allzu schlecht für den TVK. Beim 10:18 hielt hinten Löffelmann und der am Ende zehnfache Torschütze Niklas Ihmer traf vorne zum 11:18. Am Ende wurden mit 12:19 die Seiten gewechselt.

Weiter kämpfen

Nach dem Wiederanpfiff versuchten die Hausherren, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern bis zum Schluss zu kämpfen. Beim 15:21 (34.) durch einen verwandelten Strafwurf von Niklas Ihmer keimte ein bisschen Hoffnung auf. Doch die Saarländer nutzten in der Folge jede noch so kleinste Chance gnadenlos aus und stockten auf 23:16 (35.) auf. Ohne Tom Spieß musste der TVK in den zweiten 30 Minuten auskommen. Er war angeschlagen und der TVK-Coach wollte nicht riskieren, dass ihm sein Allrounder länger ausfiel. Also wurde er geschont. Dafür bekamen die jungen Spieler wie zum Beispiel Vadym Oskilko Einsatzzeiten. Dieser nutzte seine Chance nach anfänglicher Nervosität und konnte zum Schluss drei Treffer verzeichnen. Die Gäste wechselten immer wieder mal durch, doch wenn der TVK etwas näher herankam (19:24, 20:26) kam sofort wieder das “Stammpersonal” aufs Parkett und Kapitän Tom Paetow und Co. zogen die Zügel an. Am Ende stand ein zwar deutlicher, aber auch zu erwartender Sieg der Mannschaft von Trainer Jörg Lützelberger. Er sprach nach dem Abpfiff von “einem wichtigen Sieg und wichtigen Punkten, auch wenn nicht immer alles völlig reibungslos verlief”.

Markus Baur, sportlicher Leiter der HG Saarlouis, kam auch mit nach Miltenberg – sehr zu meiner Freude, denn ich habe ihn schon zig-Jahre nicht mehr gesehen. Umso schöner, dass es in Miltenberg mit einem Treffen geklappt hat

TVK-Kreisläufer Jannik Wolf, der fünf Tore erzielte, sprach von einem “sehr starken Gegner, der eine enorme Qualität hat. Aber nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten wir deren Tempospiel recht gut im Griff, haben gut mitgehalten.” TVK-Coach Povilas Babarskas gratulierte dem Gegner zum verdienten Sieg, war trotz der hohen Niederlage nicht ganz unzufrieden und meinte: “Wir hatten uns gut vorbereitet, haben gleich am Anfang einige Fehler zu viel gemacht, was die HG super ausgenutzt hat. Aber wir haben gekämpft und für unsere jungen Spieler war es ein guter Test gegen so eine Topmannschaft zu spielen. Es wird ihnen weiterhelfen.”

Auch Kirchzells sportlicher Leiter Gottfried Kunz, der ein paar Tage zuvor seinen 70. Geburtstag feierte, zeigte sich nicht enttäuscht: “Wir haben gedacht, dass wir vielleicht mit sechs, sieben Toren verlieren werden. Jetzt waren es zehn wie im Hinspiel. Aber es war okay gegen so ein absolutes Spitzenteam.”

 

 

 

 
HSG Hanau überrollt Homburg 

Die HSG Hanau ist am Samstagabend ihrer Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht geworden. Die Brüder-Grimm-Städter gewannen auch das Rückspiel gegen den TV 1878 Homburg souverän mit 38:26 (19:10). Beim Heimerfolg über den Aufsteiger aus dem Saarland trugen sich mehr als ein Dutzend HSG-Akteure in die Torschützenliste ein. Zudem kam mit Torhüter Luca Patrizio ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu seinem Drittliga-Debüt für die HSG. Mit dem sechsten Sieg in Folge und dem verteidigten dritten Tabellenplatz steht den Grimmstädter in der nächsten Woche in Saarlouis ein echtes Topspiel bevor. 

„Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, lobte HSG-Cheftrainer Axel Spandau nach dem Ende der Handballpartie am Mikrofon. „Auf das Sieben-gegen-sechs von Homburg hatten wir uns der Abwehr sehr gut eingestellt und haben dort einige Bälle erkämpfen können. Am Ende haben wir unsere Führung sauber ausgebaut. Jetzt freuen wir uns sehr auf das Duell in Saarlouis, höchstwahrscheinlich vor ausverkaufter Halle.“ Seit dem 18. Januar hat die Spandau-Sieben nicht mehr verloren und rückte in der Tabelle bis auf Rang drei vor. Vor der Begegnung mit den Gästen aus dem Saarland hatte Spandau von seinem Team vor allem die richtige Einstellung und den absoluten Willen gefordert, um im Heimspiel schnell für klare Verhältnisse zu sorgen. Gegen einen angeschlagenen Gegner, der nur mit einem Rumpfkader in Hanau antrat, waren Kleemann, Bergold & Co. somit von der ersten Minute an hellwach. 

Nach dem Treffer der Gäste zum Auftakt drehten Spielmacher Jan-Eric Kleemann und Kreisläufer David Rivic mit ihren Toren die Partie schnell für Hanau zum 2:1 (4. Minute). Während die HSG in der Folge immer ein Tor vorlegte, gelang Homburg, durch seinen starken Spielmacher Robin Egelhof, direkt der Ausgleich. Rund zehn Minuten hielt sich der Außenseiter so in der überaus fairen Begegnung mit der HSG auf Augenhöhe. Erst nachdem Rivic, nach einer schnellen Mitte, mustergültig von Kleemann in Szene gesetzt wurde, kippte das Spiel zugunsten der Grimmstädter. 

In der Defensive schloss Hanau nun die Reihen, verteidigte extrem zweikampfintensiv und ging aus den Balleroberungen immer wieder schnell nach vorne. Ein Unterarmschlagwurf von Lukas Böhm brachte dem HSG-Team die klare 10:6-Führung in der 15. Minute ein. Wenig später legte Rivic noch einen Treffer nach – das 16:9 (24.). Während im Innenblock Cedric Schiefer und Nils Schröder für die Hanauer Beton anrührten und Homburg so trotz seines Sieben-gegen-sechs im Angriff kaum noch zum Abschluss kam, zeigte sich Kapitän Max Bergold – wie schon in der Vorwoche – gedankenschneller als sein Gegenspieler und glänzte mit einem sehenswerten Ballgewinn und dem Tor zum 18:9 (28.). Nur zehn Tore auf Seiten des TVH sprachen zur Halbzeit eine deutliche Sprache. 

HSG ging weiter Vollgas

Auch im Anschluss ging Hanau nicht vom Gaspedal: Mit einem 3:1-Torlauf nach dem Seitenwechsel und dem Siebenmetertreffer von Kleemann war man beim 22:11 (35.) bereits auf elf Tore enteilt. Homburg behielt die Nerven. Mit viel Elan stemmte sich die Mannschaft von Trainer Pedro Vieira gegen das Hanauer Offensivfeuerwerk und kam in Überzahl beim 19:25 (45.) von Andreas Schneider wieder etwas heran. 

Mit zunehmender Spielzeit schien dem ersatzgeschwächten TVH nun aber die Kraft auszugehen, das 29:20 von HSG-Spielmacher Jan-Philipp Winkler in der 49. Minute war da nur folgerichtig. „Homburg war schon schwer dezimiert und auch Spielmacher Jan-Philipp Valda war angeschlagen und hatte nur ein, zwei Aktionen auf dem Feld. Von unserer Seite zum Vorteil, für Homburg zum Nachteil. Es können nur die spielen, die da sind“, bemerkte Spandau. Der Hanauer Coach hingegen nutzte in den zweiten 30 Minuten die volle Breite seines Kaders, wechselte reichlich durch, ohne dass es zu einem Bruch im Spiel kam. Bereits früh in der zweiten Halbzeit gab Spandau den Youngstern Malte Just und Ben Scharriär reichlich Spielzeit. Letzterer dankte es seinem Trainer mit drei Toren und nagelte dabei auch einen Stemmwurf zum 32:23 kraftvoll unter die Querlatte. Zuvor hatte Just, nach einem erneuten Ballgewinn gegen das Homburger Sieben-gegen-sechs, per Konter das 30:20 (50.) beigesteuert. „Die beiden haben das wirklich hervorragend gemacht“, meinte Spandau. „Gerade Malte hat auch in der Abwehr wirklich gut verteidigt.“ 

In der Schlussphase gab noch Torhüter Luca Patrizio, der für den Verein in der zweiten A-Jugend-Bundesliga aufläuft, sein Drittliga-Debüt für die HSG. „Vor dem Blauen Block spielen zu können war ein sehr schönes Gefühl für mich, wir haben einfach super Fans hier in Hanau“, so Patrizio. „In dem Moment, als ich eingewechselt wurde, ging mein Adrenalin durch die Decke.“ Nach dem 38:25 von Schröder honorierte das Hanauer Publikum die Leistung der HSG-Sieben mit stehendem Applaus. Auch Mittelmann Winkler zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir haben heute eine super erste Halbzeit gespielt. Die ersten 10 Minuten waren zwar etwas durchwachsen, aber unsere Abwehr hat gut gestanden und jetzt freuen wir uns auf das Auswärtsspiel in Saarlouis.“ 

 

 

TV Gelnhausen erkämpft sich Derbysieg in Dutenhofen

Der TV Gelnhausen hat auch das Auswärtsderby bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II für sich entschieden und damit die Tür zur Qualifikation für die Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga weit aufgestoßen. Vor 350 Zuschauern in der Sporthalle Dutenhofen in Wetzlar, darunter rund 70 lautstarke Anhänger aus Gelnhausen, setzten sich die Barbarossastädter mit 28:26 (13:13) durch. Mit nun 38:6 Punkten behauptet der TVG in der Süd-West-Staffel weiterhin den zweiten Tabellenplatz. Der Vorsprung auf den Dritten beträgt somit weiterhin sechs Punkte.

Die Gelnhäuser hatten erneut mit gewaltigen Personalsorgen zu kämpfen. Neben den Langzeitverletzten Leon David (Schulter-OP) und Akos Csaba (Kreuzbandriss) fehlten weiterhin auch Jannik Geisler (Schulterprobleme) und Torhüter Alexander Bechert (Ellenbogenverletzung). Zudem konnte Winterneuzugang Dmytro „Dima“ Redkyn nicht mitwirken, da er zeitgleich mit seinem Stammverein TV Großwallstadt in der zweiten Bundesliga im Einsatz war. Viele Spieler im TVG-Kader hatten zudem in der Trainingswoche aufgrund einer hartnäckigen Grippewelle nur eingeschränkt trainieren können. Entsprechend standen Cheftrainer Matthias Geiger lediglich begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung.

Doch einmal mehr fand der TVG einen Weg, die Herausforderungen zu meistern. Beide Teams agierten von Beginn an mit einer konzentrierten und stabilen Defensive, sodass es einige Minuten dauerte, bis sich im Angriff Torchancen ergaben. Nach zehn Minuten führte der TVG mit 4:3, ehe Fynn Broßmann kurz darauf erstmals auf zwei Tore erhöhte. Absetzen konnten sich die Barbarossastädter jedoch nicht. Beide Mannschaften leisteten sich technische Fehler im Angriffsspiel und das Spiel blieb eng. Die Führung wechselte mehrfach, ohne dass sich ein Team einen entscheidenden Vorsprung herausspielen konnte. Beim TVG überzeugte vor allem die kompakte Abwehr um Kreisläufer Torben Fehl.

Kurz vor der Pause hatte dann Dutenhofen die Möglichkeit, erstmals mit zwei Toren in Führung zu gehen. Beim Stand von 12:11 erhielten die Gastgeber einen Siebenmeter zugesprochen. Für diese Situation brachte Geiger Juniorentorhüter Noah Pilgrim zwischen die Pfosten. Der Youngster parierte den Strafwurf und bewahrte sein Team vor einem höheren Rückstand. Wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff sorgte Jonas Dambach mit seinem Treffer zum 13:13 sogar noch für einen ausgeglichenen Pausenstand.

Zunächst ausgeglichene zweite Hälfte

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zunächst ausgeglichen. Doch im Laufe der zweiten Hälfte gelang es dem TVG zunehmend, mehr Tiefe in sein Angriffsspiel zu bringen. Vor allem Silas Altwein übernahm offensiv immer mehr Verantwortung. Mit zwei Treffern in der 39. und 40. Minute brachte er seine Mannschaft erstmals mit drei Toren in Führung (19:16). Wenig später traf Yannick Mocken per Tempogegenstoß zum 20:16. In dieser Phase zeigte der TVG seine beste Spielphase. Die Offensive um Altwein und Dambach fand immer wieder gute Lösungen gegen die aggressive Abwehr der Gastgeber. Gleichzeitig zeigte Daniel Drozdz im Tor mehrere starke Paraden und gab seiner Mannschaft zusätzlichen Rückhalt. Als Fynn Hilb in der 51. Minute zum 25:19 traf, lag Gelnhausen erstmals mit sechs Toren in Führung.

Doch entschieden war die Partie damit noch nicht. Dutenhofen nahm eine Auszeit und kämpfte sich anschließend Stück für Stück wieder heran, begünstigt durch einige Unkonzentriertheiten auf Seiten der Gelnhäuser. Besonders Nico Scheibel und Lukas Gümbel übernahmen nun Verantwortung im Angriffsspiel der HSG. In der 56. Minute verkürzte Gümbel auf 24:27. Im Gegenzug versuchte der Gelnhäuser Max Bechert vom Anwurfkreis auf das leere Tor der Gastgeber zu treffen, doch HSG-Keeper Henrik Naß war rechtzeitig zurück und parierte, so dass Dutenhofen die Chance hatte weiter zu verkürzen. Nach einer weiteren Parade von Drozdz erarbeitete sich der TVG im Angriff einen Siebenmeter, doch Malolepszy traf diesmal nur die Latte. Auf der Gegenseite verwandelte Scheibel einen Strafwurf zum 25:27 bei noch zweieinhalb Minuten Restspielzeit.

Nun bewiesen die Gelnhäuser jedoch erneut ihre Nervenstärke. Hilb setzte sich im Eins-gegen-Eins durch und traf in der 59. Minute zum 28:25. Kurz darauf fing Dambach in der Abwehr einen Pass der Gastgeber ab und sicherte seiner Mannschaft erneut Ballbesitz. Dutenhofen versuchte es in der Schlussphase noch mit einer offensiven Manndeckung, kam jedoch durch Scheibel nur noch zu einem Treffer zum 28:26-Endstand. „Wir haben über weite Strecken eine sehr kompakte Abwehr gestellt und Dutenhofen immer wieder zu schwierigen Würfen gezwungen“, analysierte Geiger. „Am Ende haben wir es aber leider nicht ganz souverän zu Ende gespielt. Da waren wir teilweise zu gierig wie etwa beim Wurf aufs leere Tor. Das wollen wir beim nächsten Mal besser machen.“