Nun hat es ihn doch erwischt! Christian Plesser, Jugendkoordinator bei der TVG Junioren Akademie, musste vor ein paar Tagen bei seiner Abschiedsfete Haare lassen (siehe unser Bild). Was war passiert? Plesser ging bereits im Jahre 2011 eine Wette ein. „Ich sagte vor dem Jugend-Final Four: Jungs wenn wir – egal ob mit der A-oder der B-Jugend – deutscher Meister werden, kommen die Haare ab!“

Zwei Saisons konnte sich der 34-Jährige erfolgreich um die Einlösung der Wette drücken. Vergangene Woche war es dann soweit. „Vorreiter“ waren die Spieß-Zwillinge und Florian Stenger. Sie griffen zuerst zum Rasierer und hatten viel Spaß dabei. Doch auch die anderen Jungs aus der Akademie wollten sich dieses Event keinesfalls entgehen lassen und schnippelten eifrig mit.

Den Spott bzw. das Mitgefühl seiner Mitmenschen, die ihn tags darauf mit „Platte“ das erste Mal sahen, war Christian gewiss. Er nahm es mit Humor und mit der Gewissheit: die Haare wachsen ja wieder! Die Tage am Untermain sind für den gebürtigen Iserlohner gezählt. Ab Juli wird Christian die Geschicke der Lemgoer Jugend leiten. Wir sagen danke für die schöne Zeit am Untermain und wünschen ihm viel Glück in Lemgo!

 

Man stelle sich vor, zwei deutsche Spitzenfußball-Teams, wie zuletzt Bayern München und Borussia Dortmund, spielen das Champions League-Finale aus und der Rest der Bundesliga spielt exakt an diesem Tag völlig unbeeindruckt seine Meisterschaftsrunde weiter! Im Fußball unvorstellbar, ein absolutes „no go“.

Im Handball ist dies leider gang und gebe. Während am Wochenende die vier besten europäischen Mannschaften, darunter die deutschen Spitzenteams aus Hamburg und Kiel, in der Königsklasse um den Titel kämpfen, stehen am 33. Ligaspieltag folgende Begegnungen an: HBW Balingen-Weilstetten – MT Melsungen, TuS Nettelstedt-Lübbecke – TV Großwallstadt (beide Samstag), Füchse Berlin – VfL Gummersbach, FA Göppingen – SG Flensburg-Handewitt und TSV GWD Minden – SC Magdeburg (alle Sonntag).

Wie kann das sein, wer zeichnet für diese – meiner Meinung nach – völlig indiskutable Terminplanung verantwortlich? Die Handball-Obersten stehen sich – einmal mehr – selbst im Weg und müssen sich nicht wundern, wenn sie immer mehr Boden auf andere Sportarten verlieren. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, wie das Rennen in Köln ausgeht und wer sich am Ende die Krone aufsetzen kann.

Höhen und Tiefen im Viertelfinale

Ende April war ich in Hamburg beim Viertelfinal-Rückspiel zwischen dem HSV Hamburg und der SG Flensburg-Handewitt vor Ort. Es war eine Begegnung mit vielen „Ups and Downs“. Vor über 7000 Zuschauern, einem einmal mehr überragenden SG-Torhüter Mattias Andersson und einer kurzzeitigen Sieben-Tore-Führung der Gäste reichte es am Ende für diese nicht. Der HSV Hamburg setzte sich durch und wird am kommenden Samstag um 18 Uhr gegen den THW Kiel das zweite Halbfinale bestreiten.

Für mich persönlich war der 28. April ein wunderschöner Tag, denn ich war völlig privat in Hamburg, hatte deshalb ganz viel Zeit für Plaudereien mit z. B. einem meiner Lieblingsspieler, Steffen Weinhold, oder mit Dierk Schmäschke, Kent Andersson, Johannes Bitter, Andreas Rudolph, Mimi Kraus, Toto Jansen, Martin Schwalb, Cyril Dujacquier (EHF) und vielen mehr.

Terminplan hin, Terminplan her. Die „Handball-Verrückten“ unter uns haben auf jeden Fall am Wochenende ein volles Programm und viel zu schauen. Die einen fiebern in Köln mit, die anderen im Schwabenländle, in Ostwestfalen oder in der Landeshauptstadt. Mir bleibt nur, Euch allen schöne, faire und spannende Spiele zu wünschen und dass Ihr mit Euerem Lieblingsverein nach dem Schlusspfiff feiern könnt.

 

 

 

Die Kleinwallstädter Brüder trennen 17 Zentimeter Körpergröße und gut zwei  Lebensjahre. Ansonsten haben sie sehr viele Gemeinsamkeiten. Vor allem ihre Affinität zum Handballsport verbindet Markus und Florian Eisenträger seit ihrer Geburt. Der Papa war „schuld“, denn er, selbst begeisterter Handballer, nahm die beiden schon früh immer in die Halle zum TV Kleinwallstadt, dem Heimatclub der Familie, mit. So blieb es gar nicht aus, dass seine Buben von Anfang an mit dem Ball durch die Halle sausten. Eine andere Sportart kam und kommt für die beiden nicht in Frage. „Ich habe mal kurz Fußball gespielt, aber das war nicht das Richtige“, grinst Florian. Der ältere und größere Markus hat gleich gar nichts anderes probiert. Von den Minis an haben die Brüder alle Jugendmannschaften durchlaufen. Markus wechselte ab der C-Jugend zur TuSpo nach Obernburg und blieb dort bis zur A-Jugend. Bereits in seinem zweiten Jahr als A-Jugendlicher wechselte er zur HSG Nieder-Roden und wurde dort  in der Männermannschaft eingesetzt. Damals war Frantisek Fabian Coach des damaligen Regionalligisten. Anschließend ging es für den Rückraumspieler zum TV Kirchzell, ehe es ihn nach Erlangen in die zweite Liga verschlug. Für eine Saison blieb er dort, ehe er 2011 wieder zurück nach Obernburg kam. Bei der TuSpo machte er alle Höhen und Tiefen mit. Allerdings spielte er die Saison aufgrund seines Studiums (Sport auf Grundschul-Lehramt) nicht ganz zu Ende. So blieb ihm auch das unmittelbare Gefühl des Absturzes in die Landesliga erspart. „Wenn alles nach Plan läuft, will ich im nächsten März mein Staatsexamen machen“, erklärt der Rückraumspieler. Aber er will auch das Handball spielen nicht vernachlässigen. Mehrere Vereine haben ihr Interesse an ihm bekundet und er will wieder höherklassig spielen.

Meniskus-OP am Neuhausen-Spieltag

Florian, der kleine Bruder, ging bereits in der B-Jugend zum damaligen HBLZ, jetzt TVG Junioren-Akademie. 2010 bremste ihn ein Kreuzbandriss aus und vor ein paar Tagen musste er sich einer Meniskus-OP unterziehen, die ihn erneut wochenlang außer Gefecht setzt. Ihn führte sein Weg ebenfalls nach Kirchzell, mit Doppelspielrecht für den TV Großwallstadt. Der stets gut gelaunte und immer zu Scherzen aufgelegte Linksaußen hat noch Vertrag bis Ende Juni 2013 beim TVG. Doch wie es danach weitergeht? Er weiß es nicht. „Die Verhandlungen laufen, entschieden ist noch nichts“, sagte Florian, der die bittere Niederlage seines TVG gegen Neuhausen am Liveticker miterleben musste. Kurz vorher wachte er gerade aus der Narkose auf.

Denken die beiden an ihre „Anfänge“ zurück, ist ihnen noch gut ihr „erstes Mal“ in der Arena beim THW Kiel in Erinnerung. „Das war so krass damals. Ich habe auf halb gedeckt und musste gegen Zeitz, den absoluten Publikumsliebling, spielen. Ich war ganz schön nervös“, sagte Florian. Es muss ihn sehr beeindruckt haben, denn gerade er ist für seine Kaltschnäuzigkeit im Verwerten von  Chancen bekannt. Auch Markus hatte schon die „Ehre“ in Kiel zu spielen. „Damals zog Obernburg im DHB-Pokal den THW Kiel. Ich war schwer beeindruckt und ich kann mich erinnern, dass ich vor dem Match durch die Arena gelaufen bin und Bilder gemacht habe“, grinst der große Bruder. Als Jugendlicher war für Florian der Lemgoer Florian Kehrmann ein Vorbild. Als er später gegen ihn spielen durfte, war dies natürlich doppelt schön. Markus gefiel als Knirps Pascel Hens gut. „Und Markus Hock (früher Kirchzell, Melsungen, Wetzlar, jetzt Schweizer Liga) hat mir immer gut gefallen.“ Beide spielen auf seiner Position. Mittlerweile haben die Gebrüder kein richtiges Vorbild mehr. Vom einen gefällt ihnen dies, vom anderen das.

In ihrer Freizeit machen beide nicht allzuviel. Markus ist mit seinem Studium und „mit meiner Freundin gut beschäftigt“, grinst er. Florian, der Sportsoldat, unternimmt viel mit seiner Freundin und mit seinen besten Kumpels Patrick Schmidt und Steffen Kaufmann. Und, bei schönem Wetter, fährt er gerne Motorrad. Mama Eisenträger, die gute Seele im Haus, grinst, wenn sie sagt: „Markus war schon immer der Ruhigere, Florian der Lockere, der immer was unternehmen muss.“  Sie ist sehr stolz auf ihre Jungs, hat sie früher immer von „A nach B“ gefahren: „Mein Mann und ich waren, gerade am Wochenende, gut eingespannt. Aber wir haben es sehr gerne gemacht.“

Beide wollen sich empfehlen

Markus und Florian haben schon in der Jugend- und Junioren-Nationalmannschaft gespielt und Flo ist noch heute bei den Lehrmaßnahmen mit dabei.  Beide haben sich fast das gleiche Ziel für die Zukunft gesteckt. Florian: „Wenn ich beim TVG bleibe und wir in der zweiten Liga spielen sollten, dann will ich zeigen, was ich kann. Und ich will mich für die erste Liga empfehlen.“ Markus: „Auch ich will mich kommende Saison gut präsentieren und empfehlen. Zweite Liga wäre ideal, erste natürlich ganz toll. Aber mal schauen, was kommt.“

Uns bleibt an dieser Stelle nur noch, den sympathischen Sportlern für ihre Zukunft alles Gute zu wünschen!

Vielen Dank an Klaus Roos für die tollen Bilder! Auch an die Eisenträgers und “privat” geht unser Dank.

 

 

Zweimal schlug Einar Holmgeirsson seine Zelte beim Bundesligisten TV Großwallstadt auf. Das erste Mal war der isländische Nationalspieler von 2004 bis 2007 am bayerischen Untermain. In den Jahren 2008 bis 2010 trug er das zweite Mal das Trikot des TVG.

Der Linkshänder begann seine Karriere in Reykjavik, kam dann zum TVG, ehe es ihn zur SG Flensburg-Handewitt zog. Bei den Nordlichtern blieb er eine Saison, ehe er wieder nach Großwallstadt zurück kam. Von dort ging der zweifache Familienvater zur HSG Ahlen-Hamm, um ab März 2012 bis zum Saisonende beim SC Magdeburg auszuhelfen.

Immer wieder bremste ihn zuletzt eine Knieverletzung aus. Diese wurde immer schlimmer, so dass der 31-Jährige seine Karriere als Profihandballer jüngst an den Nagel hängen musste.

Ein kleines Interview:

Hallo Einar, wie geht es Dir zurzeit?

„Mir geht es sehr gut, danke.“

  Was macht das Knie?

„Das Knie macht nicht so gut. Ich kann kaum laufen und das Handballspielen ist auch leider unmöglich.“

 Was bedeutet das?

„Das bedeutet, dass dies das Karriere-Ende für mich als Profihandballer ist.“

 Das tut mir sehr leid.  Du bist wieder in Deiner Heimat Island. Was machst Du jetzt, wenn Du kein Handball mehr spielen kannst?

„Ich absolviere gerade ein Praktikum in einem Fitness-Studio und bereite mich auf meine Umschulung im August vor. Ich werde anfangen Sport Management zu studieren und dieses Studium dauert drei Jahre.“

Du hast lange in der deutschen Liga gespielt, zuletzt beim SC Magdeburg. Rückblickend gesehen – was war Deine schönste Zeit?

„Mein schönste Zeit waren sicherlich meine ersten Jahre beim TVG. Damals hatte ich meine besten Jahre. Danach ging es leider mit meinen Verletzungen los. Aber ich würde sagen, dass ich in jedem Verein eine schöne Zeit hatte. Jeder Club ist anders und ich habe viele Erfahrungen gemacht. Ich habe meine Zeit in Deutschland sehr genossen – auch wenn es nicht immer rund lief, habe viel tolles erlebt und viele nette Leute kennen gelernt.“

Hast Du noch Kontakt zu Deinen alten Kollegen, z. B. aus Flensburg, Großwallstadt, Magdeburg?

„Es könnte immer ein bisschen mehr sein… Ab und zu schreibt man sich was über Facebook oder Twitter. Natürlich habe ich mehr Kontakt zu meinen isländischen Kollegen. Aber ich habe in all den Jahren viele gute Freunde gewonnen, mit denen ich in Kontakt bin und das ist schön.“

Könntest Du Dir vorstellen, nach Deinem Studium einen Job in einem Verein zu übernehmen, z. B. als Manager, Geschäftsführer oder Trainer?

„Ja, das könnte ich mir vorstellen. Aber vielleicht später. Jetzt möchte ich gerne studieren und ein bisschen Erfahrung sammeln.“

 Verfolgst Du noch die deutsche Liga?

„Ja natürlich mache ich das. Sogar mit großem Interesse.“

 Wer wird Deiner Meinung nach dieses Jahr deutscher Meister?

„Da ändert sich nichts. Kiel wird wieder Meister.“

 Du hast lange beim TVG gespielt, hast eine tolle Zeit dort verlebt. Tut es Dir persönlich leid, dass der Verein jetzt eventuell absteigen wird?

„Ja das muss ich sagen. Das tut mir sehr leid. Ich habe die ganze Zeit die Spiele verfolgt und leider gingen zu viele Matches mit einem Tor verloren. Oder dann die unnötigen Unentschieden. Doch manchmal läuft es einfach in die verkehrte Richtung. Dann wird es sehr schwer, die Dinge zu drehen. Das kenne ich aus meiner Zeit in Hamm. Erst haben wir die ersten Spiele knapp verloren. Dann haben sich ein paar Leute verletzt. Schließlich haben wir unser Selbstvertrauen verloren. Wenn es so sein sollte, dass der TVG absteigt, dann bin ich mir sicher, dass er sofort wieder aufsteigen wird.“

Fotos: privat

 

 

 

Am Dienstag morgen geht es los. Die Bahn bringt in aller Herrgottsfrüh die C- und B-Jugend des Hermann Staudinger-Gymnasiums, hoffentlich ohne Verspätung, nach Berlin zum Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“.

Die verantwortlichen Trainer, Roland Weber und Henrik Barz vom HSG Erlenbach sowie Felix Rother und Christian Plesser von der TVG Junioren Akademie, fahren mit einem guten Gefühl. Immerhin holten die Jungs im vergangenen Jahr den zweiten Platz. Erst im Endspiel mussten sie sich den Hauptstädtern mit 13:9 geschlagen geben.

Die C-Jugend trifft in der Vorrunde auf das  Sportgymnasium Neubrandenburg Mecklenburg-Vorpommern, auf das Altes Gymnasium Flensburg Schleswig-Holstein und auf das Ernst-Abbe-Gymnasium Jena Thüringen.

Die B-Jugend muss sich in der Vorrunde mit dem Sportgymnasium Magdeburg Sachsen-Anhalt, der Humboldtschule Hannover Niedersachsen und dem Sportgymnasium Schwerin Mecklenburg-Vorpommern auseinandersetzen.

Damit die Kids nicht nur den „Handball“ zu sehen bekommen, gibt es am Mittwoch (24.04.) ein besonderes Highlight. Sie besuchen, zusammen mit den Lehrern und Verantwortlichen, das Basketball-Bundesligaspiel zwischen Alba Berlin und TBB Trier in der 02 World. Einen Tag später sind die Verantwortlichen vom Berliner Handballbund eingeladen.

„Es wird einiges geboten und das Bundesfinale ist eine tolle Veranstaltung“, freut sich Christian Plesser von der Junioren-Akademie. „Zusammen mit unserer Partnerschule, dem HSG Erlenbach, nehmen wir bereits zum fünften Mal hintereinander an der Veranstaltung teil. Dieses Jahr sogar mit der C- und der B-Jugend. Das zeigt aber auch, wie gut die Kooperation zwischen der Schule und den TVG-Junioren funktioniert“, erzählt Plesser weiter.

Die B-Jugend spielt in folgender Aufstellung:

Ben Fuhrmann, Patrick Gempp, Pascal Schumann, Leon Schneider, Jannik Schneider, Felix Spross, Luca Hein (alle TVG Junioren Akademie), Maximilian Bergold, Maximilian Kehlenbach (JSG Wallstadt), Niklas Hansen, Tim Kroth (TuSpo Obernburg).

Die Aufstellung der C-Jugend:

Jan König, Sascha Hein, Tobias Raab (TVG Junioren Akademie), Lukas Hansen, Lukas Bischhof, Leander Specht, Martin Bieger, Julian Klimmer, Sebastian Peters (TuSpo Obernburg), Tom Hofmann (JSG Wallstadt).

Handball-Bundesliga, Männer: HSG Wetzlar – FA Göppingen 30:27 (12:14). –

Das einzige Bundesliga-Spiel am „Pokal-lastischen“ Wochenende stieg in Wetzlar. Hier trafen am Freitagabend zwei kampfstarke Mannschaften vor 4412 Zuschauern aufeinander. Die Partie war alles andere als ein handballerischer Leckerbissen. Der Kampf stand im Vordergrund und beide Teams erlaubten sich viele technische Fehler. Nach 60 verbissen geführten Minuten stand ein alles in allem verdienter Sieg der Mittelhessen, die sich mit nun 29:27 Punkten auf Platz acht verbesserten.

Mich persönlich hat sehr gefreut, dass Philipp Müller nach seiner OP schon wieder auf dem Spielfeld zu sehen war. Er fieberte bereits ein paar Tage vor der Begegnung seinem Einsatz entgegen – eine Kampfmaschine halt …

Was mich zum Schmunzeln brachte, war der Fan hinter mir. Er gab super Kommentare ab, wusste wirklich auf jede Aktion etwas zu sagen. „Den werf ich noch mit 72 rein. Das ist doch Stürmerfoul. Mensch, mach hinne und halt mal einen Ball.“ So ging es die ganze Zeit. Doch genau solche Leute braucht die Sportart, denn sie stehen hinter ihrem Team.

Immer wieder fasziniert bin ich davon, was die Wetzlarer Verantwortlichen vorher und nachher rund ums Spielfeld auf die Beine stellen. Sie haben es wirklich geschafft, aus jedem Match ein Event zu machen. Vor Spielbeginn ist die Vorfreude schon immer greifbar und vor der Halle stehen die Fans in Scharen unter Partyschirmen und stimmen sich auf die Partie ein. Im Foyer der Halle sind Tische und Stühle aufgebaut und hier geht danach der Punk ab. Lange nach Spielschluss wird hier diskutiert, erklärt, gelacht und gescherzt. Auch der VIP-Raum platzt aus allen Nähten und keiner der Zuschauer macht Anstalten, nach Hause zu gehen. So muss es sein. Chapeau HSG!

Die Nachricht war ein Riesenschock für die TVG-Junioren-Akademie. Kein Wunder, denn einer der Macher des Leistungszentrums, Christian Plesser, wird nach Saisonende die Akademie Richtung Ostwestfalen verlassen.

Sechs Jahre lang war er neben Manfred Hofmann das Herzstück der TVG-Junioren-Akademie. Nach dieser Saison ist Schluss. Christian Plesser nimmt ein Angebot des TBV Lemgo an und wird ab Sommer in Ostwestfalen tätig sein. Als Jugendkoordinator wird er die A-Jugend Bundesliga trainieren und, zusammen mit dem Kapitän des Erstligisten Florian Kehrmann, für die zweite Mannschaft (3. Liga, Staffel Nord) verantwortlich sein.

„Ich habe im Leistungszentrum alles, aber auch wirklich alles mitgemacht“, sagt Plesser. „Manfred und ich haben aus Ruinen einen deutschen  Meister gezaubert, eine Insolvenz – ohne Hilfe des TVG – abgewandt und das Schiff wieder auf Kurs gebracht. Mich kann nichts mehr schocken“, grinst der 34-Jährige. Sein Abgang wird eine Riesenlücke reißen, denn er war das sprichwörtliche „Mädchen für alles“. Ein richtiger Tausendsassa, der überall zu finden war: in der Trainingshalle, in den WG‘s der Jungs, in den Schulen, auf der Geschäftsstelle, bei den Sponsoren und und und…

Wenn er an die letzten Jahre zurückdenkt, überkommt Plesser trotz aller Vorfreude auf seinen neuen Job ein wehmütiges Gefühl: „Der Abschied tut mir sehr weh. Aber in Lemgo tut sich für mich eine Riesenchance auf. Die muss ich einfach ergreifen“, erzählt er. Dem Allrounder lagen noch andere Angebote vor. Das von Lemgo war wohl das verlockendste, sprich das lukrativste.

Unter seiner und Hofmanns Fittiche wurden viele Erfolge erzielt, wie 2011 die deutsche B-Jugend-Meisterschaft. 2012 stand die A-Jugend im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Im gleichen Jahr wurde die B-Jugend dritter deutscher Meister. Und auch heuer ist die B-Jugend wieder sehr erfolgreich unterwegs und holte sich jüngst den bayerischen Meistertitel. Auch viele Nachwuchsspieler, wie Bardina, die Spieß-Brüder, Purucker, Plaue oder Kohlbacher, um nur einige zu nennen,  wurden von ihm zu dem gemacht, was sie heute sind.

„Für uns ist Christians Abschied eine Überraschung und natürlich auch ein riesiger Verlust. Er ist in all den Jahren die gute Seele der Akademie gewesen. Nun müssen wir sehen, wie wir diese Lücke schließen“,  zeigte sich der Vorstand der Junioren-Akademie, Manfred Hofmann, geschockt. Er muss dies erst einmal verdauen und dann schauen, wie es weitergehen soll. Trotzdem versteht er Plesser und sagt: „Das Paket, das ihm Lemgo vorgelegt hat, ist so gut geschnürt und nicht abzulehnen. Da musste er die Chance annehmen.“ Die Akademie konnte da wohl finanziell nicht mithalten.

Plesser selbst stieß 2005 zum TV Großwallstadt und war dort ein Jahr lang auf der Geschäftsstelle tätig. Ein Jahr später ging er zu einem großen Sportartikelhersteller und war für Fußball Marketing zuständig. Im April 2007 holten die damaligen TVG-Trainer der Profimannschaft, Roth und Wilde, den gebürtigen Iserlohner nach Großwallstadt zurück. Seit dieser Zeit ist der bekennende BVB-Fan in der Junioren-Akademie tätig, seit ein paar Jahren als Jugend-Koordinator.

Foto: TVG-Junioren-Akademie

Handball-Bundesliga, Männer: TSV GWD Minden – TV Großwallstadt 26:24 (11:11). –
Am Ostersonntag musste der abstiegsbedrohte TV Großwallstadt in Minden antreten. Die Hausherren hatten zu diesem Zeitpunkt schon zwölf Zähler auf dem Konto. Nach 60 hart umkämpften Minuten waren es 14! Damit schubsten die Ostwestfalen den TVG in ein Tal der Tränen.
Dabei sah es zu Beginn so gut aus. Mit Unterstützung vieler Fans (sie füllten einen kompletten Bus)  und des fahnenschwenkenden „Wischer Michel“ (siehe Bild) fingen die Unterfranken sehr gut an und führten nach 20 Minuten mit 10:5. In der Folge blieben sie ihrer Linie treu, verdaddelten den Vorsprung, so dass es mit 11:11 in die Pause ging.
Nach dem Wechsel boten beide Mannschaften den Zuschauern einen Kampf auf Biegen und Brechen – diesmal allerdings mit leichten Vorteilen für die Gastgeber. Aber die Gäste kämpften sich heran und beim 20:20 (49.) hofften die TVG-Anhänger auf die Wende. Sieben torlose Minuten brachen den Unterfranken letztlich „das Genick“. In dieser Zeit zog Minden auf 24:20 davon und die Messe war gelesen. Zwar kämpfte der TVG auch in den letzten Minuten vorbildlich – an der Einstellung lag es mit Sicherheit nicht – aber gebracht hat es nichts mehr. Was funktionierte war noch ein bisschen Ergebniskosmetik.
Die Mindener feierten den Sieg wie die Meisterschaft und vor allem Manager Horst Bredemeier hatte allen Grund zum Jubeln. Er wurde am Ostersonntag 61 Jahre jung und seine Jungs machten ihm das schönste Geburtstagsgeschenk.

Er ist Handballer von Kindesbeinen an, verdiente sich seine ersten Sporen bei seinem Heimatverein TuSpo Obernburg. Und dennoch legt Tobias Niessner in dieser Saison eine Pause ein. Grund ist sein Sport-Ökonomie-Studium an der Uni Bayreuth, auf das er sich ganz konzentrieren will. Dafür hat er beim Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf ein Praktikum absolviert. Los ging es Mitte August letzten Jahres, beendet hat der Torhüter es dieses Jahr Mitte Februar. „Ich habe im Internet geschaut, ob bei einem Handball- oder Fußballclub eine Praktikantenstelle Richtung Sportmarketing, Sportmanagement frei ist und bin auf die TSV gestoßen“, erzählt der 24-Jährige. Er hat sich beworben und wurde genommen. Für ihn war dies ein Glücksfall, denn da der junge Mann, der kurz vor seinem Bachelor-Abschluss steht, alle Stationen beim niedersächsischen Verein durchlief, hat er überall Einblicke bekommen. „Egal, ob Ticketing, Marketing oder Organisation, ich durfte überall mithelfen. Und es war sehr lehrreich und interessant. Interessant auch deshalb, weil der hauptamtliche Geschäftsführer Benjamin Chatton viele neue Strukturen geschaffen hat.“

Seinen ersten Tag beim aktuellen Tabellenfünften der Liga wird der Obernburger so schnell nicht vergessen. „Mein erster Arbeitstag war der Tag, an dem die TSV seinen Markenrelaunch der Öffentlichkeit vorstellte. Ich bekam hautnah alles mit, war sofort mittendrin bei der Hektik des Bekanntgebens, der Veröffentlichung von Pressemitteilungen, den Schreiben an die Sponsoren, dem neuen Logo der „Recken“ und den Reaktionen darauf“, grinst der Keeper.

Manchmal war der Praktikant auch am Wochenende im Einsatz. An einem Spieltag ging es schon vormittags in die Arena. Arbeit gab es genug, denn die Technik muss reibungslos laufen, die Sponsorenbanden hängen, die Einlaufshow muss passen und die kommunikativen Aufgaben, wie Homepage oder Facebook, müssen erfüllt werden. Besonders gern erinnert sich Niessner an einen Spieltag Mitte Dezember. Gegen den TUSEM Essen zogen die „Recken“ von der AWD Hall in die große TUI Arena um. „Das war ein logistisches Highlight“, erzählt der Student und erinnert sich: „Ich durfte die komplette Koordination vorbereiten und dachte nur: oh lieber Gott, hoffentlich habe ich nichts vergessen!“.

Auch bei den Fußballkollegen Hannover 96 schaute der junge Mann mal vorbei. „Wir waren dieses Jahr gegen den VfL Wolfsburg im Stadion. Es war sehr schön, aber sehr kalt“, erinnert er sich.

Von Hannover hat Niessner in den letzten Monaten einiges gesehen, auch schon aufgrund des Plakate austragens, das mit zu den Aufgaben gehörte, und entdeckte viele schöne Ecken. „Gerade rund um den Marschsee ist es sehr schön“. Für ihn war die Großstadt am Anfang eine Umstellung. „Klar, gibt es größere Städte. Aber für mich war es schon eine Umstellung wegen dem Studium von Obernburg nach Bayreuth zu ziehen. Und von Bayreuth nach Hannover war es noch einmal ein großer Schritt.“

Der Abschied aus Niedersachsen ist ihm schwergefallen, denn er hat sich nicht nur sehr wohlgefühlt bei der TSV. Er hat auch sehr viel gelernt, viel mitgenommen. „Alle waren unglaublich nett und hilfsbereit und die Atmosphäre war wirklich sehr angenehm. Beim TSV tut sich sehr viel und die werden sich mit Sicherheit noch weiterentwickeln“, ist sich Niessner sicher.

Bevor es wieder zurück nach Bayreuth ging, verbrachte der Student noch ein paar Tage zu Hause in Obernburg bei der Familie und den alten Freunden. Und so ganz nebenbei fungierte er noch als Glücksbringer bei seinem alten Verein. Er war vergangenen Sonntag beim Spiel gegen Holzheim in der Ballmann-Halle und prompt trumpfte sein altes Team groß auf. „Ich habe eine besondere Verbindung zur TuSpo. Schließlich habe ich von den Minis bis zur 2. Liga alle Mannschaften durchlaufen, ehe ich 2009 wegen dem Studium nach Bayreuth gezogen bin. Obernburg hängt zwar zurzeit hinten drin. Ich denke aber, dass sie auf jeden Fall noch die Kurve bekommen und die Klasse halten.“

Am kommenden Sonntag ist der Torhüter in Aschaffenburg zu Gast. Dann spielt „seine“ TSV gegen den TV Großwallstadt. „Zum Abschied hat mir der Verein eine Karte für das Spiel geschenkt“, freut sich der Sportler. Gefragt, für wen er die Daumen drückt, sagt er: „Mein Praktikum ist ja gerade erst vorbei und es ist alles noch ganz frisch. Von daher schlägt mein Herz schon für die TSV. Dass die Mannschaft soweit vorne steht, ist kein Zufall. Die haben sich clever verstärkt, haben ein gutes Umfeld, eine gute Geschäftsstelle und ein gutes Trainerteam. Aber die Großwallstädter brauchen jeden Punkt und ich hoffe wirklich, dass sie in der Liga bleiben. Die gehören einfach in diese Liga. Puh, das ist schwer…“

Sverre Jakobsson, 35-jähriger Abwehrchef beim Handball-Bundesligisten TV Großwallstadt, spielt seit vielen Jahren in der deutschen Liga. Da es der Spielplan meistens nicht anders zulässt, feiert er oft mit seiner Familie in Deutschland Weihnachten. „Wir   feiern Weihnachten sehr oft in Deutschland, da wir meistens noch am zweiten Weihnachtsfeiertag ein Spiel haben. Dann verbringen wir die Feiertage mit Nachbarn oder mit anderen isländischen Spielern zusammen“, sagt der dreifache Familienvater. Einen großen Unterschied vom Wetter gibt es nicht, Unterschiede im Brauchtum schon. „Bei uns in Island kommt zwar auch am 24. Dezember das Christkind und bringt die Geschenke. Aber wir haben nicht nur einen Weihnachtsmann, der nur an einem Abend kommt, sondern gleich 13 Stück“, lacht Jakobsson. „Ab dem 12. Dezember kommt jeden Abend ein kleiner oder ein großer Weihnachtswichtel vorbei und steckt den Kindern eine kleine Überraschung in den Stiefel. Auch hier in Großwallstadt ist das so.“

Der Nationalspieler kann sich noch gut an seine Kindheit erinnern. Damals waren die Wichtel böse und verteilten anstatt Zuckerbrot die „Peitsche“. Doch im Laufe der Jahre hat sich dies geändert und die Kinder haben keine Angst mehr vor den Weihnachtsmännern.

Eine Legende erzählt, dass es früher auch eine Weihnachtskatze gab. Diese achtete genau darauf, dass jeder am Festtag ein neues Kleidungsstück trug bzw. vorweisen konnte. War dies nicht der Fall, galt man als faul und die Katze ging nicht gerade zimperlich mit den Leuten um. Und es traf nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen. „Es wurde uns Kindern immer erzählt, dass uns die Katze holen würde und wir hatten natürlich Angst“, grinst der Isländer.

„In Island feiern wir an den drei Feiertagen ein riesengroßes Fest und es gibt ganz viel zu essen. Wir essen fünfmal am Tag wie die Wahnsinnigen und du hast keine Chance, auch nur ein Gramm abzunehmen“, lacht der 1.95 Meter-Mann. Etwas bestimmtes kommt nicht auf den Tisch. Es wird – je nach Geschmack – Schweinefleisch, Pute oder Lamm serviert. Was aber auch keinen Fall fehlen darf, ist das sogenannte Laubbrot. „Das ist eine feste Tradition bei uns. Der Teig besteht aus Mehl, Salz, Backpulver, Milch. Dann stechen wir dünne Stücke in verschiedenen Mustern aus. Die werden noch verziert und im Fett gebraten und das Brot darf bei keiner Weihnachtsmahlzeit fehlen.“

Diese und einige Traditionen mehr werden in der Weihnachtszeit im Hause Jakobsson in Großwallstadt gelebt. Aber der Handballprofi hat mittlerweile nach vielen Jahren in seiner neuen Heimat auch die deutschen Gepflogenheiten liebgewonnen und vor allem die Kinder profitieren davon.

Dieses Jahr geht es für die isländische Familie am 27. Dezember für ein paar Tage Richtung Heimat und sie freuen sich schon sehr. „Dann gibt es ein großes Familientreffen und wir feiern Weihnachten nach. Das wird dann sehr lustig – vor allem für die Kinder.“

Info:
Sverre Jakobsson, geboren am 8. Februar 1977 in Reykjavik. Der 1.95 Meter-Mann ist Rechtshänder und spielt am Kreis – bevorzugt in der Abwehr. Neben seiner Leidenschaft zum Handball hat er einen Magister der internationalen Wirtschaftswissenschaften. Er ist seit Jahren einer der Leistungsträger in der isländischen Nationalmannschaft und hat mit seinem Team im Sommer 2012 an den Olympischen Spielen in London teilgenommen. Unter anderem spielte er in FRAM, Gummersbach, Kopavogur und aktuell beim TV Großwallstadt.