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In der dritten Handball Liga, Staffel Süd-West, trotz der TV Gelnhausen dem Tabellenführer einen Punkt ab. Die HSG Hanau musste eine Auswärtsniederlage hinnehmen.
Barbarossastädter bleiben in der Hölle Süd ungeschlagen
Was für ein Handballabend in der Hölle Süd: Der TV Gelnhausen hat dem Tabellenführer HSG Krefeld Niederrhein ein 30:30 (11:15) abgetrotzt. Vor 1.300 Zuschauern in der Rudi-Lechleidner-Halle lagen die Barbarossastädter gegen den großen Favoriten zwischenzeitlich mit sieben Toren zurück, kämpften sich mit einer beeindruckenden Energieleistung aber zurück. Damit bleiben die beiden einzigen bislang ungeschlagenen Mannschaften der Staffel auch nach dem direkten Duell ohne Niederlage.
Schon die Ausgangslage versprach einen besonderen Abend. Der Tabellenzweite empfing den verlustpunktfreien Spitzenreiter und der TVG wollte seine beeindruckende Heimserie fortsetzen. Seit November 2024 (25:40 gegen den Longericher SC) hat Gelnhausen kein Drittliga-Heimspiel der Süd-West-Staffel mehr verloren. Gleichzeitig musste die Mannschaft erneut einige Rückschläge verkraften. Max Bechert (Mittelhandbruch), Alexander Bechert (Knieprobleme), Benjamin Wörner (leichte Handverletzung) und Finn Trinczek (leichte Fußverletzung) fehlten verletzt. Dafür feierte Jonas Dambach nach seinen Fußproblemen sein Saisondebüt und meldete sich mit fünf Treffern und einer starken Leistung eindrucksvoll zurück.
Von Beginn an entwickelte sich das erwartete intensive Spitzenspiel. Beide Abwehrreihen standen kompakt, dazu setzten die Torhüter Bruno Minerva und Finn Rüspeler erste Akzente. Jonathan Malolepszy traf in der achten Minute per Siebenmeter zum 3:3 und sollte mit insgesamt sieben Treffern am Ende bester Gelnhäuser Torschütze sein. Auf Krefelder Seite war Jörn Persson mit acht Toren am erfolgreichsten.
Nach einer ausgeglichen Anfangsphase neigte sich das Pendel schnell auf die Seite der Gäste. Yannick Mocken sprang unglücklich in seinen Gegenspieler und sah die Rote Karte. Damit verlor Gelnhausen schon nach acht Minuten seinen einzigen gelernten Linksaußen im Kader. Anschließend nutzte das Krefelder Starensemble einige Gelnhäuser Fehlwürfe. Der polnische Neuzugang Maciej Papina ausgestattet mit Erstliga- und Europapokalerfahrung traf dreimal in Folge und brachte den Tabellenführer mit 7:4 in Front. Nach einer Auszeit stabilisierte sich der TVG wieder. Kurz vor der Pause folgte jedoch der nächste personelle Rückschlag: Beim Stand von 10:14 sah auch Henrik Müller, der auf Linksaußen eingesprungen war, nach einem weiteren unglücklichen Foul Rot. Das veränderte gänzlich die Statik des Gelnhäuser Spiels, da fortan Jannik Geisler auf der ungewohnten Außenposition aushelfen musste und somit als Option für den Rückraum ausfiel. Mit 11:15 ging es anschließend in die Pause. „Wir haben in der ersten Hälfte einige hundertprozentige Chancen gegen einen sehr guten Krefelder Torhüter liegen lassen. Mit vier Toren Rückstand zur Halbzeit war aber noch alles in Ordnung“, sagte TVG-Trainer Patrick Beer. „Wir hatten uns für den zweiten Durchgang fest vorgenommen, im Angriff etwas variabler zu spielen.“
Krefeld erwischte besseren Start
Doch daraus wurde zunächst nichts. Nach der Pause erwischte Krefeld den deutlich besseren Start. Mit einem 4:1-Lauf zog der Tabellenführer auf 19:12 davon, beim 22:15 nach 41 Minuten schien die Partie gegen einen Gegner mit dieser Qualität eigentlich entschieden. Doch genau dann passierte das, für das es keine echten Worte gibt und eben diese besondere Magie der Hölle Süd ausmacht. Angeführt von Jonathan Malolepszy, der fünf seiner sieben Treffer in den letzten zwölf Minuten erzielte, zeigte der TVG seine außergewöhnliche Mentalität. Gelnhausen verteidigte aggressiver und stellte offensiv auf vier Rückraumspieler ohne Kreisläufer um. Drei Tore in Folge brachten die Barbarossastädter beim 22:18 wieder auf vier Treffer heran. „Beim 12:19 waren wir fast tot. Und dann kommen die Jungs zurück, dann kommt diese Halle und diese verrückten Fans und pushen uns nach vorne. Das ist unglaublich“, sagte Beer nach dem Spiel.
Die Aufholjagd nahm nun Fahrt auf. Malolepszy verkürzte in der 49. Minute auf 21:24 und nur zwei Minuten später auf 23:25. Zu diesem Zeitpunkt saß niemand mehr auf seinem Sitz, die Zuschauer peitschten ihr Jungs bedingungslos nach vorne, das Hallendach schien wegzufliegen, während Minerva mit starken Paraden immer wieder die Grundlage für den nächsten Angriff legte. Krefeld hielt dagegen und führte fünf Minuten vor Schluss noch mit 29:26. Doch der TVG glaubte weiter an seine Chance. Dambach und Malolepszy brachten Gelnhausen auf 28:29 heran. Als Krefeld noch einmal zum 30:28 vorlegte, antwortete Simon Belter sofort zum 29:30. Dann parierte Minerva erneut und rund zwei Minuten vor Schluss traf Malolepszy aus dem Rückraum zum 30:30. Die Hölle Süd stand endgültig Kopf. Sogar die erste Gelnhäuser Führung war noch möglich. Dambach übernahm unter Zeitspieldruck Verantwortung, doch Rüspeler parierte seinen Versuch. Krefeld bekam anschließend den letzten Angriff, doch die TVG-Abwehr ließ keinen Abschluss mehr zu. Der direkte Freiwurf nach Ablauf der Zeit blieb im Block hängen und danach kannte der Gelnhäuser Jubel über den Punktgewinn keine Grenzen.
„Das war eine absolute Gemeinschaftsleistung. Ich bin unglaublich stolz darauf, diese Mannschaft trainieren zu dürfen“, sagte Beer. Auch Gäste-Trainer Mark Schmetz zeigte sich beeindruckt: „Volle Halle und unglaublich viel Druck von den Rängen. Es hat richtig Spaß gemacht, hier zu spielen.“
Siegesserie gerissen
Die HSG Hanau hat in der Bielerthalle Opladen eine bittere Auswärtsniederlage hinnehmen müssen: Der TuS 1882 Opladen gewann das Drittliga-Duell der Staffel Süd-West mit 35:30 (15:15), nachdem die Blau-Weißen zur Pause noch ausgeglichen hatten. Jan-Eric Kleemann (5/2 Tore) hatte mit einem verwandelten Siebenmeter unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff den Ausgleich besorgt; Ben Scharriär (5) und David Rivic (4) sorgten in der zweiten Halbzeit immer wieder für den Anschluss. Am Ende war es eine verdiente Niederlage durch zu viele eigene Fehler. „Wir haben leider eine sehr unnötige Niederlage einstecken müssen”, sagte Trainer Axel Spandau. „Wir hatten eigentlich eine sehr ordentliche erste Halbzeit bis zur 27. Minute gespielt. Leider ist dann Marek Schöber durch ein sehr hartes Foul ausgeschieden. Das war natürlich für uns ein Rückschlag, weil er bis dahin eine sehr gute Partie gespielt hat.” Schöber hatte zuvor mit zwei Treffern zum Ausbau der Grimmstädter Führung beigetragen. „Es kamen dann leider viele Zeitstrafen zusammen und das hat uns so ein bisschen das Genick gebrochen: In Unterzahlphasen haben wir insgesamt sechs Tore ins leere Tor bekommen, weil wir nicht sauber zum Abschluss gegangen sind”, so Spandau abschließend. „Eine nicht ganz unverdiente, aber äußerst ärgerliche Niederlage.”
Mit einer Serie von drei Ligasiegen in Folge reiste die Mannschaft mit viel Rückenwind in die Bielerthalle und waren gewillt, auch im vierten Anlauf hintereinander als Sieger vom Feld zu gehen. Dies klappte am Samstagnachmittag im Leverkusener Stadtteil Opladen nicht. Mit der Niederlage reißt die Erfolgsserie der HSG nach drei aufeinanderfolgenden Siegen. Vor rund 100 Zuschauern in Opladen war das Hanauer Aufgebot personell durch den frühen Ausfall von Marek Schöber weiter gebeutelt. Die Lage im Rückraum verschärfte sich zusätzlich als Cedric Schiefer in der 51. Minute wegen seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah und fortan dem Team ebenfalls fehlte.
Starker Beginn, doch nur Unentschieden zur Halbzeit
Die Grimmstädter legten los, wie die Feuerwehr. Basierend auf einer beweglichen Deckung netzte Cedric Marquardt zum 1:0 in der ersten Minute ein, Sebastian Hein erhöhte in der zweiten Minute auf 2:0, und Dziugas Jusys vollendete in der dritten Minute zum 3:0 — binnen weniger Minuten hatte Hanau den Grundstein für eine verheißungsvolle Partie gelegt. Doch danach ließ die Treffsicherheit nach und Opladen antwortete entschlossen: Markus Sonnenberg (4.) und Moritz Levin Werschkull (6.) verkürzten schnell auf 2:3, und Domenik Roth glich in der 7. Minute aus. Das Spiel blieb eng und wechselhaft. Jan-Eric Kleemann (8.) und Hein (9.) stellten auf 5:3, bevor Johannes Emmerich für Opladen begann, das Spiel auf der anderen Seite zu prägen. Emmerich glich für die Hausherren bis zur 15. Minute immer wieder aus; vier Tore gingen in der ersten Hälfte allein auf sein Konto. Marquardt traf in der 16. Minute zum 8:7, Opladen konterte mit dem Ausgleich. Nach einer Zeitstrafe gegen Jusys (18.) ließ Marquardt seinen zweiten Siebenmeter an diesem Tag liegen.
David Rivic (20.) und der eingewechselte Marek Schöber (21.) erhöhten kurzzeitig auf 10:8 ab. Es folgte eine der Schlüsselszenen: In der 25. Minute sah Werschkull nach einem überharten Foulspiel an Marek Schöber die Rote Karte. Während Schöber frei zum 12:9 durchsprang pflückte Werschkull ihn von der Seite unsanft aus der Luft. Im Anschluss kam der Hanauer nicht mehr aufs Spielfeld zurück. Doch in der Hektik erhielt auch Cedric Schiefer eine Zwei-Minuten-Strafe. Bis zur 27. Minuten hatte die Drei-Tore-Führung bestand. Doch nach der eignen Auszeit wurden drei Angriffe ohne Tor abgeschlossen und so lagen die Gäste kurz vor der Halbzeit mit 14:15 hinten. Unmittelbar vor dem Abpfiff tankt sich Ben Scharriär durch und erhielt für seinen Einsatz einen Siebenmeter zugesprochen. Kleemann rettete per Siebenmeter den 15:15-Ausgleich zur Pause.
Hanauer kämpfen, doch Opladen setzt sich ab
Zwar startete die zweite Halbzeit, damit das Rivic die Grimmstädter sofort auf 16:15 (31.) in Führung bracht und Opladen ausglich. Doch die Fehlwürfe und technischen Fehler häuften sich. Zwischen der 35. und 39. Minute zogen die Hausherren auf 20:17 davon. Kämpferisch in der Abwehr, temporeich nach vorne. So traf Cedric Schiefer doppelt (41.) und Ben Scharriär glich zum 20:20 aus (42.). Im Anschluss standen die Hausherren in doppelter Unterzahl auf dem Feld und das Momentum schien zugunsten der Gäste zu kippen. Ausgelassene Chancen ließen es jedoch nicht ganz kippen. So konnte Lucius Heß aufs leere Tor zum 21:20-Führung für den Gastgeber erhöhen. Bei 22:22 (46.) waren die Blau-Weißen trotzdem noch im Spiel.
In der 45. Minute traf Dennis Gerst zum 22:22 — und dann begann die zweite Schlüsselphase, die das Spiel entschied: Unmittelbar nach dem Ausgleich erhielt Mathi Geerken die nächste Zwei-Minuten-Strafe bei Versuch den Wurf aufs leere Tor zu vereiteln. Opladen verwandelte den folgenden Siebenmeter durch Len Johannmeyer zur erneuten Führung (23:22, 46.). Hanau war nun in doppelter Unterzahl. In den folgenden eineinhalb Minuten schlug Lucius Heß zweimal zu — 24:22, dann 25:22 (47.): Jeder dieser Treffer fiel, weil die Grimmstädter in Unterzahl nicht sauber abschlossen und Opladen dies mit Treffern auf das leere Tor gnadenlos bestrafte. Beim Stand von 30:26 (54.) betrug der Rückstand vier Tore — Schlagdistanz, wie Spandau es selbst formulierte, aber die Kräfte reichten nicht mehr. Scharriär, Kleemann und Hein verkürzten in der Schlussphase noch auf 30:33 und 30:35, doch Paul Giesselmann legte in der 59. und 60. Minute die letzten beiden Treffer für Opladen nach. Mit dem Abpfiff stand ein 30:35 und eine verdiente Niederlage für die HSG Hanau zu buche. „Am Ende gehen uns dann leider die Kräfte aus, und wir müssen uns geschlagen geben”, sagte Böhm. „Ärgerliche zwei Punkte, die wir eigentlich gerne aus Opladen mitgenommen hätten — und ein großes Dankeschön an alle, die uns begleitet haben.”



